Nacht. Er bekam die Braune. Die Kunst unsererbesten Aerzte vermochte nichts gegen diese schrecklicheKrankheit, deren Bestes ist, daß sie schnell ergreift,schnell tödtet. Bor vier Tagen war der reizendeEngel noch Freude und Leben.
Nur die Liebe des Bater- und Mutterherzensblutet, diese süße Gewohnheit, dieser heilige, vonGott gegebene Trieb, dieses zarte Band, welches alleGeister zusammenzieht, nur unsere Liebe blutet, un-ser Glaube nicht! Er ist noch mein Sohn. Ergehört noch zu den Meinen. Ich bin noch nichtgetrennt von ihm. Sein höheres, schönes Ich istGottes, aus dessen Weltall nichts verloren geht; esist mein, denn so innig vermahlt die höchste Liebe,das heiligste Wesen, unser Batcr der Geister —-nichts, um es mit grausamem Spiele wieder zutrennen, zwecklos, unbarmherzig. Ach, solch' einTod ist eine schöne, erhabene Mahnung an die hö-here Würde unseres Geistes; was ist dagegen jedePredigt, jede geistreiche Betrachtung! O, die Na-tur, das heißt, die Gottesstimme in der Sinnen-welt, hat etwas unendlich Erhabenes und Schönes,selbst in der Zertrümmerung des Irdischen. Geist,Geist, ruft sie, Alles ist Geist, und außer ihmnichts Bleibendes; kette dich darum an nichts Ir-disches, liebe die ewige Psyche im Staube!
Mein Guido ist nicht mehr im Staube, unddoch ist er noch mein; doch noch mein heißgeliebterSohn, doch noch mein anderes Ich. Er ist es sogewiß, als Gott mein ist und ich ein Kind deshöchsten Wesens bin.
So, mein Lieber, wird auch Sie und mich einstkein Tod scheiden. Ihr edler Geist, Ihre Seelen-güte, Ihre Tugend werden die meinigen erheben.