Druckschrift 
Lichtstrahlen beleuchtend Religion, Christenthum und Welt, aus Heinrich Zschokke's Werken
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

barbarischer Dummglaubigkcit, odcr selbstsüchtigen Gc-waltthums, sowohl in Volks- als Fürstenreichen,reinigen. Denn nicht Republik, nicht Monarchiesind an sich im Widersprüche mit dem Heile der

Menschheit, sondern was in beiden Formen dem Ge-rechten und Guten feindlich bleibt. Die göttlicheNatur unseres Geschlechts aber laßt sich nicht ewigi» die Thierhaut einspannen, worin ein arglistigeroder unwissender Stolz sie vermummt halten möchte.Dafür leistet die Geschichte der vergangenen Jahr-tausende, dafür das Schicksal unseres Zeitalters un-verwerfbare Bürgschaft. Licht und Recht immerdarfreier zu stellen, dazu mußten Feinde und Freunde,Willkühr und Nothwendigkeit, Glück und Unglück,Verbrechen und Tugend sich unbewußt verbinden.Wer an Gott glaubt, muß daher nie das Recht unddie Wahrheit, die unterdrückt werden sollen, sondernnur die Verblendung des Unterdrückers beklagen, derfür das Unmögliche alles mögliche Böse wagt. DerUnterdrücker aber ist jedesmal nur der Partheimensch,auf welcher Sekte er stehe, der aus Liebe zumHimmel Bösewicht, aus Liebe zur Freiheit Despot,und im Eifer für öffentliche Ordnung und Glück-seligkeit deren unbarmherziger Zerstörer wird.

In diesen Gesinnungen betrachtete der Urhebergegenwärtiger Zeilen das welterschütternde Schau-spiel der letzten Jahrzehnte. Er begrüßte einst mitfreudiger Begeisterung den ersten Aufgang der Frei-heit Frankreich's. Und wenn er sich schaudernd vomAnblicke der blutigen Grauel wegwenden wollte, dieden innern Kampf einer aufgelösten Nation beglei-ten mußten, hielt ihn der Gedanke tröstlich aufrecht:das Gerechte wird überleben; das Jahrhundert istim Auge des Ewigen mehr, als das Jahr; dieMenschheit mehr, als der Mensch. Er erblickte mit