Seruius zur Aen. V 85 'Nullus enim locus sine genio, qui peranguem plerumque ostenditur’ hat eine weitgehende Bedeutung.Das Gerät linker Hand ist leider noch unverständlich. Aberden Mittelpunkt der ganzen Feier bildet das bärtige Menschen-haupt, das auf dem viereckigen Altar aufliegt, der da angebrachtist, wo sich bei Terrakotten ähnlicher Größe das Brennloch be-findet, und der mit einer Inschrift in griechischen Schriftzeichengeziert ist, die kaum etwas anderes enthalten haben kann, alseine Weihung des Menschenhauptes an die Große Göttin. Eserinnert uns daran, daß wir uns nicht im Lande der Hellenen,sondern der keltischen Barbaren befinden, bei denen dasMenschenopfer religiöser Brauch gewesen ist. Als in der ZeitSullas Posidonius die gallischen Länder bereiste, bemerkte er,daß die Barbaren, ohne Schemel zu benützen, auf der flachenErde hockend, ihre Gelage hielten — dieselbe barbarische Formdes Sitzens bemerken wir bei ihren einheimischen Göttern —,daß sie diesen Göttern Menschenopfer darbrachten, daß sie dieVorhallen ihrer Häuser mit den angenagelten Schädeln ihrererschlagenen Feinde ausschmückten, die Schädel der vornehm-sten aber mit Cedernöl einbalsamierten, als wertvolle Ruhmes-zeichen in ihren Truhen sammelten und für die Nachwelt auf-bewahrten (Strab. IV 4, 5 p. 198; Diod. V 29, 5). Zuerst wirktedieser Brauch abstoßend auf den Griechen: mit der Zeit abergewöhnte er sich an den scheußlichen Anblick. Die gallischenReiter in Oberitalien banden diese abgeschnittenen Köpfe derFeinde an den Hals ihrer Rosse (Liu. X 26, 11), oder sie weihtensie den Göttern. Über eine solche Weihung i. J. 216 v. Chr. beiden Boiern berichtet Liuius (XXIII 24, 11): 'Ibi Postumius,omni ui ne caperetur dimicans, occubuit. Spolia corporis caput -que praecisum ducis Boi ouantes templo, quod sanctissimum estapud eos, intulere. Purgato inde capite, ut mos iis est, caluamauro caelauere: idque sacrum uas iis erat, quo sollemnibuslibarent, poculumque idem sacerdoti[6«]s esse [uoluerunt] actempli antistitibus.
Die Menschenopfer bei den Galliern erwähnt auch Caesar(bell. Gail. VI 16): nach Strabo a. a. O. haben erst die Römerdem barbarischen Brauch, die abgeschnittenen Köpfe der Feindeals Zierrat zu verwenden, ein Ende gemacht: xai tovtcov S’enavaav