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Über eine Marmorstatuette der Grossen Mutter mit der ältesten Inschrift des Rheinlandes in keltischer Sprache : mit 2 Tafeln und 2 Textabbildungen
Entstehung
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lieh. Der erste Eindruck ist der eines Schlachtmessers mitbreiter, sensenartiger Klinge, deren Schneide den Männerkopffast berührt. Schwer zu erklären ist der Griff: in der Richtungder Klinge eine kleine Parierstange, wie es scheint, wie bei demSchlachtmesser des Pyrrhos auf der Vivenziovase (Baumeister,Denkm. unter lliupersis); statt des Knaufs ein Griff nach derder Parierstange entgegengesetzten Richtung, wie bei der HarpeEtrusk Spiegel V, Taf. 71. Doch befriedigt mich diese Deutungkeineswegs. Man erwartet die Darstellung einer Harpe oder aucheines Flötenpaares, vielleicht eines Pfluges.

Deutung der Vorderseite.

Das bisher beschriebene Bildwerk ist ein Denkmal aus demGötterdienst eines Vornehmen des Volkes der Treveri, in dessenGebiet es gefunden ist, angefertigt von einem Künstler keltischenStammes, der aber — dem Schöpfer der Münzen des Vercinge-torix vergleichbar — bei den Griechen der hellenistischen Zeitdie Kunst der Malerei und der Bildhauerei, dazu die Kenntnisder Schrift sich anzueignen verstanden hat. Unter den ein-heimischen keltischen Göttinnen ist die dargestellte nicht zusuchen, sie ist aus dem Land der Griechen eingeführt, vielleichtauch aus dem Land der keltischen Stammesgenossen, der GalaterKleinasiens, die die bedeutendsten Verehrer dieser Göttin mitdem Löwen, der Fackeln und der Pauke im Altertum gewesensind. Denn es ist nur eine Göttin bekannt, die Anspruch auf dieeben genannten Beigaben erheben kann, und die die Hand aufdie Mähne ihres Löwen legen darf: die Göttin Kybele, die dieRömer mit dem griechischen Namen Megale, die Große, oder inihrer Muttersprache mit dem Namen Magna Mater benannthaben. An vielen Orten des Keltenlandes ist ihre Verehrung inder Kaiserzeit nachweisbar, insbesondere am Mittelpunkt Gal-liens, in Lugudunum, am Zusammenfluß der Rhone und derSaone (C. I. L. XIII, 1751 ff.). Aber diese Kulte sind durchwegjüngerer Zeit angehörig und die. Gestalt der römischen MaterMagna mit der Mauerkrone ist eine wesentlich jüngere Schöp-fung, als das Vorbild der Statuette aus Coblenz. Denn daß dieseStatuette das getreue Abbild einer Tempelstatue der Großen