Fortschritt. Er erzielt die größere Verbreitung der Anerkenntnis?,daß die Besitzenden die Pflicht haben, für die Besitzlosen Vieleszu thun; er erzielt die größere Anerkennung der Besitzlosen, daßdie Besitzenden bereit seien, Opfer für sie zu bringen. Es istder Berns der Gesetzgebung unserer Zeit, die Härten des Lebensanzuerkennen und zu mildern.
Vier Tage später ergreift Cainphansen in der Drei-St nde-Kurie das Wort bei der allgemeinen Besprechung des Zuden-Gesctzcnt Wurfes:
Ich habe wahrgenommen, daß die Existenz des preußischenStaates an den Grundsatz geknüpft ist, daß verschiedeneu Confessio-nen die gleiche politische Berechtigung zustehe, und daß die Mo-narchie gefährdet wäre, wenn dieser Grundsatz nachhaltig und we-sentlich verlassen werden sollte. Aus diesen Wahrnehmungen bin ichzu dem, vielleicht nicht philosophischen Schlüsse gelangt, daß, irr sofern wir wirklich unter die Kategorie des christlichen Staates fallen,diese Kategorie uns nicht hindern könne, den Juden dir PolitischenRechte cinzmäunlen.
Dafür, daß es geschehen, sind ihnen viele Gründe vorgetragenworden. Sie werden deren noch andere zu hören haben; ich wünschenur auf einige Eigenschaften der Juden hinzuweisen, welche ihnenvorzugsweise in unserem Staate das Wort reden, oder das Wortreden sollten. Beispiellos in der Geschichte ist die Beharrlichkeit derJuden in ihrem religiösen Glauben, die Erhaltung der Einheitihres Glaubens, trotz ihrer Zerstreuung über alle Länder der Erde;und diese Eigenschaft wird von unserer jetzigen Regierung in anderenFällen ungemein hoch geachtet. Beispiellos ist die Anhänglichkeitder Juden an die Sitten und Gebräuche ihrer Väter, ihre Ehrfurchtvor der elterlichen Gewalt und vor den Familienpflichten: sie tragenin dieser Beziehung ein eonservatives Element in sich, was in an-deren Fällen von unserer Regierung ungemein hoch geachtet wird.Besonders aber sind die Juden ausgezeichnet durch gewisse Fähig-keiten, welche sich bei ihnen in größerem Verhältniß als bei derchristlicheil Bevölkerung finden. Nicht zu erwähnen, was die Judenin Poesie, Literatur und Musik geleistet haben, ist es offenbar, daßsie ein financielles Talent besitzen. Allerdings tritt dasselbe nachunten auf eine häufig widerwärtige Weise hervor, höher hinauf hates glänzende Erfolge erzielt, und durch den Adel der Gesinnungerhöht, würde es mit Nutzen für den Dienst des Staates verwendet