Schreiben an die Aebtissin Jrmgard von Diepholz ans, worin siefeierlich gegen die von derselben beim Kaiser erwirkten Befehle,die hier angefangene Religion sofort wieder abzustellen nnd dieevangelische Predigt aufzuheben, protcstirten, alldieweil sie keinesektirerische, sondern gottselige Prediger, so die Sakramente reinnnd nach Christi Einsetzung unter beiderlei Gestalt ausspendcten,wie auch in kaiserlichen Erblanden und anderwärts üblich, nnddas Wort Gottes lauter predigten, angeordnet hätten. Dabeihätten sie ihren Bürgern von der Kanzel bei hoher Brüchte be-fohlen, den Katholischen keine Hinderung, noch Molestation zuthun, noch sie zu beschclten. Folglich wären jene kaiserlichenMandate nicht der Wahrheit gemäß aufgebracht, zumalen derStadt, so der Aebtissin nicht unterwürfig, nach dem Ncligions-fricden frei stünde, die Religion zu ändern. Doch dieser Protestfand kein Gehör. Die Aebtissin bedrohte vielmehr die Stadt mittausend Thalern Strafe, welche sie ans dem Wege der Exekutionwollte eintreiben lassen, sofern die angefangene Reformation nichteingestellt nnd die Prediger entfernt würden. Der Magistratreichte dagegen ein Bittgesuch um Schutz für die bedrohte Freiheitder Stadt beim Kaiser ein, die Bürgerschaft aber beschwor am12. Okt. in einer schriftlichen Eingabe den Rath, daß er in keinemFalle das evangelische Predigen einstellen oder aussetzen solle.
Zwei Termine, am 7. December 1563 und 12. Januar 1564,wurden in Düsseldorf zwischen dem Herzog von Eleve nnd denDeputirten des Raths abgehalten, um den Prozeß der Stadt mitder Aebtissin gütlich beizulegen. Der Herzog bestand ans Ent-fernung des Heinrich von Kempen, erbot sich dafür, in der Persondes Kaspar Jssclbnrg, welcher früher in Mannheim und zuletzt inDüsseldorf als Prediger gestanden, der Stadt einen anderen evan-gelischen Prediger zu stellen, welcher ebenso wie Heinrich vonKempen der ganzen Gemeinde genügen werde. Der Rath gingans diesen Vorschlag auch ein, doch die Bürgerschaft erhob sichjedesmal dagegen nnd begehrte unweigerlich, daß, weil Heinrichvon Kempen keiner Ucbelthat überwiesen werden könne, er auchbei seinem Dienst belassen werden möchte. Als der Rath vonseinem dem Herzoge gegebenen Versprechen nicht abgehen zu könnenerklärte, kam es zu argen tnmultnarischen Auftritten. Die Bürgerumlagerten das Nathhans, hielten den darin versammelten Rathden ganzen Tag bis Abends 8 Uhr gefangen und gestatteten ihmzuletzt nur unter der Bedingung den Ausgang, daß er andern Tages