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Die Geschichte der Evangelischen Gemeinde Essen und ihrer Anstalten
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und zur Eile aufgefordert hatte, mußte er wiederum schreibe», daßer zwar vorgehabt, am Sonntage Septuagcsimä zu kommen, aberwegen Abwesenheit seines Fürsten weder Urlaub noch Geleitsbriefhätte erhalten können. Von nenem gedrängt, sich so einzurichten,daß er Ostern hier sein und das heilige Abendmahl austheilen solle,muß er sich von neuem (Montag nach Iudica 1563) mit dem Aus-bleiben seines erbetneu Urlaubs entschuldigen mit dem echt evangelischenBemerken, daß der Genuß des Abendmahls weder ans Osterfest,noch sonst an eine Zeit und Stunde gebunden sei.

Schon aus diesen wiederholten Bitten, womit der Rath denPastor Heinrich von Kempen zur Beschleunigung seiner Reise nachEssen drängte, läßt sich's ersehen, wie Hierselbst die Unruhe sichgesteigert hatte. Jedermann sehnte sich nach einer endlichen Ordnungder Dinge und mit Recht befürchtete man, daß das bevorstehende Oster-fest zu neuen tumultuarischen Auftritten Anlaß geben möchte. Alses feststand, daß Heinrich von Kempen erst nach Ostern erscheinenwerde, fanden sich in der Marktkirche nicht nur äußerst wenigeKommunikanten, sondern ebenfalls wenige Zuhörer ein. Allgemeinstellte man an den Pastoren Saldenbcrg, über dessen Wandelallerlei üble Gerüchte gingen und der ein schwacher Charakter gewesenzu sein scheint, das Ansinnen, daß er die evangelische Lehre predigen,das heilige Abendmahl unter beiderlei Gestalt austheilen und sich selberverehelichen möge. Und wirklich verstand sich derselbe dazu, undverkündigte am 2. Ostertage, daß er Sonntag nach Ostern dasVerlangen der Gemeine erfüllen wolle. Doch ein fürstlichesStrasedikt schreckte diesen schwachen Mann, seinem öffentlich ge-gebenen Versprechen nachzukommen, alsbald wieder ab. Natürlichverfiel er, als er nächsten Sonntag sich mit dem ihm zugeschicktenfürstlichen Befehl vor der Gemeinde entschuldigen wollte, nichtohne seine Schuld in allgemeine Mißachtung und erregte einensolchen Unwillen gegen sich, daß er am folgenden SonntagemisLiieoeäias äaiilliu, wo das Evangelium vom guten Hirtengelesen wird, die Kirche zu betreten gar nicht wagte. EinSonntag ohne allen Gottesdienst war unerhört und noch nicht dagewesen. Damit hatte nach dem Urtheile des Magistrats und derBürger der Pastor Saldenberg sich selber seines Amtes entsetztund für fernern Dienst in der Gertrndiskirche unmöglich gemacht.Zum Glück erschien in derselben Woche, um weiter» Unordnungenvorzubeugen, der langersehnte Pastor Heinrich Kempensis ansKastellan» mit der pfälzischen Kirchenordnuug. Der vorsichtige Rath