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Herwarthisches
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der Großwürdenträger, Hofstaaten und geladenen Gäste zu sehen,die große Gala der Livreen, die Pferde und Equipagen zu be-wundern. Auch uns fesselte dieses eigenartige Bild, wir hattenviel zu schauen, denn obgleich wir in dein Wagenstrome dahin-rollten, überholten uns doch manche glänzende Gespanne oder wirüberholten minder flotte. Auch an der Abtheilung der Gardes duCorps kamen wir vorüber, welche die Prinzessinnenkrone und densonstigen Brautschmuck an Juwelen aus dem Kronschatz nach demCharlottenburger Schlosse geleitete.

Wir betrachteten alles und empfanden nicht weniger Ver-gnügen an der Musterung, die uns zu Theil wurde. Es gab inder That etwas Unerwartetes an uns zu sehen, nämlich ein ganzneues Pagenkostüm. Der frühere unkleidsame blaue Uniformsfrackwar einem, nach der Hoftracht Ludwigs XIV. zugeschnittenen,rothen Rocke gewichen, den Silbertressen und eine Schulterschleifeverzierten; Jabot und Spitzenmanschetten hoben sich vortheilhaftvon dem farbigen Kleide ab; dazu weiße Kniehosen, weißseideneStrümpfe, schwarz lackirte Schnallenschuhe. Den Kopf bedecktestatt des bisherigen Zweimasters ein rundes schwarzes Hütchen mitStraußenfeder. Ein Galanterie-Degen, schräg durchgesteckt, ver-vollständigte den Anzug.

So war das geschmackvolle Kostüm beschaffen, welches derKönig selbst ausgewählt hatte; man sprach sogar von Allerhöchst-eigenhändigen Zeichnungen. Für die Pagen ein Ereigniß, dasuns seit Wochen beschäftigte und häufige Wanderungen zum Hof-schneider Berger Unter den Linden nöthig machte, zum Maßnehmenund Anprobiren. Jetzt zeigten wir uns in der hübschen Tracht,einer günstigen Kritik zuversichtlich entgegensehend. Wir fandenwirklich Gnade vor den Augen des Publikums; mancher Ausruf,aber kein tadelsüchtiger, kam uns zu Ohren, mag es nun an demWohlgefallen oder daran gelegen haben, daß sich seit dem tollenJahre 1848 den Bewohnern ver Residenz zum ersten Mal wiederdas Schauspiel eines glanzvollen höfischen Festes bot, freilich nichtinnerhalb der Stadt im alten Hohenzollernschlosse an der Spree,wo die Hochzeiten der Prinzessinnen des Königlichen Hauses meistensgefeiert werden. Aber Charlottenburg liegt der Hauptstadt nahegenug, um ihrer Bevölkerung Gelegenheit zu geben, die immerrege Schaulust zu befriedigen. Und Charlotte hieß ja auch die