Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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kann!Er hatte viele, viele Freunde, aber keinen Feind." Und wiehätte es aber auch anders sein können bei der Eigenart seines Wesens?Begleiten wir unfern stillen Freund noch einmal, wenn auch nurflüchtigen Schrittes, durch sein arbeitsvolles, aber deshalb reich ge-segnetes Leben, so treten uns überall neben reicher geistiger Begabungdie liebenswürdigsten Eigenschaften des Charakters und des Gemüthswohlthuend entgegen. Wem es vergönnt war, ihm als Studien-oder Berufsgenosse, als Freund oder als Client nahe zu treten, wurdeauf das Wohlthuendste berührt und angezogen durch die Treuherzig-keit und Geradheit seines Wesens, die Freundlichkeit seiner Umgangs-formen, den tiefen, sittlichen Ernst seiner Lebensanschauung, gepaartmit einem idealen, im besten Sinne tief religiösen Zuge seines ganzenWesens dank dem Einflüsse eines gottesfürchtigen, ehrwürdigenElternpaares und eines innigst geliebten, leider zu früh dahingegan-genen Bruders vor allem durch die strenge, nicht aus Reflexion,sondern unmittelbarster Naturanlage entspringende Redlichkeit undRechtlichkeit, welche ihn an allen Klippen des anwaltlichen Berufs-lebens sicher und gefahrlos vorüberführte.Deine Rede sei ja, ja,nein, nein; was darüber ist, das ist vom Uebel" das schiensein Wahlspruch zu sein. Und zuletzt der That, nicht dem Wortenach welche unermüdliche Arbeitskraft, welche Ausdauer in derErfüllung übernommener Pflichten, welche Leutseligkeit dem oftmalslästigen Andränge des rechtsuchendeu Publikums gegenüber, welcheLiebenswürdigkeit und entgegenkommende Dienstwilligkeit im kollegia-lischen Verkehr durften wir an unserem geschiedenen Freunde schätzenund bewundern! So wird uns sein liebes freundliches Bild stets ge-genwärtig bleiben aus den Zeiten der Jugendlust und des jugendlichenStrebens, wie aus den Zeiten kräftiger, rastlos wirkender Mannes-thätigkeit, ja wie zuletzt aus der schweren Zeit, da der Fittich desTodes sein Haupt bereits gestreift hatte und wir uns darauf vor-bereiten mußten, ihn zu verlieren. Auch da noch vermochte seine starkean angestrengte Thätigkeit gewöhnte Natur es nicht über sich zu ge-winnen, der Ruhe und körperlichen Pflege allein sich hinzugeben.Die zärtliche Sorge für das Wohl seiner Familie nicht minder wieder mannhafte Trieb, durch geistige Thätigkeit den Kampf auf-