Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
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Nachdem Otto vier Jahre lang den Verlust der von ihm soheißgeliebten Frau betrauert hatte, schloß er 1862 die zweite Ehe mitLina, geboren am 12. Juni 1840, Tochter des Gutsbesitzers Sielmann.

Wegen der einseitigen, geringen Beschäftigung als Kreisrichterin Wischwill und seines spärlichen Diensteinkommens schied Otto ausdem Justizdienst, ging zur Advokatur über und ließ sich als Rechts-anwalt in Königsberg i. Pr. nieder. Am 23. September 1867 wurdeer als Rechtsanwalt und Notar dem ostpreußischen Tribunal zugetheilt.Dortselbst wirkte er bis zu seinem Tode als ein ausgezeichneter Juristund Rechtsbeistand und erwarb sich durch seine Tüchtigkeit wie durchseinen erprobten Charakter die allgemeine Anerkennung. Als dergesuchteste Anwalt in allen Prozessen des ostpreußischen Tribunalsgelangte er zu einer ausgebreiteten Praxis, die mit nicht unbedeuten-den Einnahmen verbunden war. Die Mußestunden, welche dieseThätigkeit übrig ließ, widmete er fort und fort wissenschaftlichen Be-strebungen. Mit besonderem Interesse verfolgte er die Fortschritte aufdem Gebiete der Künste und der Technik. Der Kunst speziell, die nurdas Edle und Wahre zu herz erwärmend er Gestaltung bringt, hing ermit wahrer Begeisterung an. In politischer Beziehung gehörte er denKonservativen an; er war ein treuer Anhänger des angestammtenKönigshauses. Seine absolute Offenheit und die Gutherzigkeit seinesWesens, sein unwandelbarer Humor waren ebenso gewinnend, wie seinegeistreiche Unterhaltung fesselnd war. Was seine weiteren Familien-verhältnisse anlangt, so lebte er auch mit der zweiten Frau, die sichals eine vortreffliche Stiefmutter der beiden Kinder ihres Mannes auserster Ehe bewährte, und die ihn durch die Geburt von 6 Knabenerfreute, von denen 4 in jugendlichstem Alter starben, in sehr glücklicherEhe. Für die Erziehung ihrer Kinder waren beide Gatten gleich be-sorgt. Einer der Söhne studirte und drei widmeten sich dem Militair-stande.

In Otto's Hause, einer Stätte der wahren Gastfreundschaft, fühltesich Jeder durch sein zuvorkommendes Wesen und seine angenehmeUnterhaltung gefesselt. Auch Verfasser erinnert sich noch heute mitWohlgefallen der frohen Stunden, die er daselbst verlebt hat. Dasrastlose Mühen Otto's, sein unermüdlicher Eifer in seinem Beruf und seine