Tage erschien ich im Hause des Superintendenten und begab mich so-fort in Gemeinschaft der Eltern in das Krankenzimmer. Bei meinemEintritt fixirte mich die Leidende mit einem freudestrahlenden Blick.In ihren Augen leuchtete der Ausdruck einer wahrhaft glucklicheninneren Zufriedenheit und Fremde darüber, daß ich gekommen war.„„Hier, Fritzchen,"" — sagte die Mutter — „„dieser Herr ist derReferendar Herr K. v. H., der auf des Vaters Bitte hierher gekommenist, um Dir selbst zu sagen, daß er kein Arzt und deshalb auch außerStande ist, Dir Deine Gesundheit wiederzugeben."" Hierauf trat ichder Kranken näher, setzte mich auf den neben dem Bette stehendenStuhl und begann zuvörderst mein tiefes Bedauern auszusprechen,daß das arme Kind so viele Schmerzen zu ertragen habe. Indem ichdas abgemagerte Händchen ergriff, sagte ich: „„Liebes Kind, wieleid thut es mir, daß ich nicht helfen kann; ich bin kein Arzt undverstehe von der Medizin nicht das Geringste."" Die Kranke sah michmit traurigen Blicken an und sagte mit schwacher Stimme: „„Ach,Sie können helfen!"" worauf ich erwiderte: „„Armes Kind, wie gernemöchte ich helfen, wenn es in meiner Macht stände; aber ich kann esnicht."" Während ich diese Worte sprach, strich ich unwillkürlich wieder-holt mit meiner flachen Hand über die Stirn und Schläfe der Leiden-den, um derselben meine Theilnahme und mein Mitgefühl an ihremLeiden besonders auszudrücken. Während ich ihr die Stirn streichelte,bemerkte ich, daß das Mädchen ab und zu die Augen öffnete undschloß und endlich ganz zumachte. Die Eltern und ich beobachtetennoch eine Weile die eingetretene Ruhe des krankeu Kindes und be-merkten, daß es eingeschlafen war. Wir verließen in aller Stille dasKrankenzimmer und traten in die Wohnstube. Die Frau Superin-tendentin machte noch die Bemerkung, daß ihre Tochter Friederike invergangener Nacht wegen großer Schmerzen wenig geschlafen habe,und dankte mir bestens für mein Erscheinen. Auch ihr Gatte verfehltenicht, mir seinen Dank zu sagen, und äußerte zugleich die Hoffnung,daß sein Töchterchen in Folge meiner ihr persönlich abgegebenen Er-klärung von ihrem Wahne wohl befreit sein würde. Die Kranke er-wachte erst nach mehrstündigem Schlafe und fühlte sich sehr gestärkt;doch in der darauf folgenden Nacht erduldete sie wieder die gnal-
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