— 114 —
geschicklichkeit des Compagnie - Chirurgus verschlimmerte sich dasLeiden in der bedenklichsten Weise, so daß seine Aufnahme in dasGarnisonlazareth erfolgen mußte. Eine geraume Zeit wurde er da-selbst erfolglos behandelt; das Leiden wurde mit jedem Tagebedenklicher, und die Aerzte entschieden sich schließlich für dieAmputation des Armes. Auf die Nachricht, daß diese Operation inkürzester Frist vollzogen werden sollte, eilte Bruder Franz, der damalsin Saarlouis in Garnison stand, sofort von dort nach Trier. In einerNacht ritt er den 12 Meilen langen Weg und kam noch rechtzeitigin Trier an, um die Abnahme des Armes zu verhindern.*) Da derPatient in Folge der Vorstellungen seines Bruders sich weigerte, dieOperation an sich vollziehen zu lassen, unterblieb dieselbe kurz vorder hierfür festgesetzten Zeit. Engelbert wurde noch viele Monateohne besonderen Erfolg im Lazareth behandelt, um schließlich das-selbe als Krüppel zu verlassen. Der Arm, seiner ganzen Längenach durch Schwund deformirt und im Ellenbogengelenk versteift,gestattete keine Bewegung mehr. Unter solchen Umständen wurdeEngelbert als Ganzinvalide anerkannt und mit dem Civilversorgungs-schein unter Gewährung einer monatlichen Pension von 3 Thalernentlassen. Welch' ein trauriges Geschick!! In Anbetracht, daß er denArm auch zu den allernothwendigsten Hantirungen nicht gebrauchenkonnte und fremde Beihilfe stets in Anspruch nehmen mußte, erfolgtedurch Vermittelung des Bruders Franz seine Ueberführung zu einerKur nach Kreuznach. Ein längerer Aufenthalt daselbst gewährte demBeklagenswerthen wenigstens den Vortheil, daß er im Stande war,sich ohne fremde Hilfe anzukleiden. Von Kreuznach kehrte Engelbert,in allen seinen Hoffnungen vernichtet, im Jahre 1849 nach Gumbinnenzu seiner alten Mutter zurück, die ihm mit einem von Gram undKummer erfüllten Herzen liebevolle Aufnahme gewährte. Zuvörderstunterzog sich Engelbert, nachdem er jedes Vertrauen zu den Aerztenverloren hatte, verschiedenartigen Kuren bei sogenannten Wunder-doktoren. Durch die besondere Heilmethode einer alten Förstersfraustellte sich auch im Laufe der Zeit ein sehr günstiger Erfolg heraus.
*) Franz war um 6 Uhr in Trier angelangt, und um 9 Uhr sollte dieOperation, zu der schon alle Vorbereitungen getroffen waren, erfolgen.