— 49 —
sie mit Gräben und Pallisaden umgab und die Eingänge mit Schild-wachen besetzte. Jeder, der solche Ortschaft zu verlassen versuchte, wurdeerschossen; diejenigen aber, welche sich heimlicherweise ans kurze Zeitdorthin begeben wollten, verfielen der Todesstrafe durch den Strang, undzwar am Galgen, den man zur Warnung an der Straße errichtet hatte.Aerzte und Geistliche wagten sich nur bis an die Schlagbäume, wo-selbst Nahrungsmittel und Arzneien für die Eingeschlossenen niederge-legt wurden. Diese Samariter trugen wachsleinene Kleider, derenDesinficirung nach jedesmaligem Gebrauch durch Räucherung mit Pest-ejsig erfolgte. Kehrten sie von den Schlagbäumen zurück, so mußtenihnen alle Personen auf ein Zeichen mit der Glocke ausweichen. So-bald die Krankheit in einer Ortschaft erloschen war, verbrannte mangewöhnlich die verpesteten Häuser und unterwarf die Einwohner inbesonderen Hütten einer längeren Quarantaine. lind doch starbenaußerordentlich viel Menschen, wohl ein Drittel der Bevölkerung desLandes, Vom August bis Anfangs Dezember 1709 starben allein inder Stadt Königsberg 7000 Menschen. Die ganze Provinz Preußenverlor fast 250 000 Einwohner, ein Dritttheil feiner Bevölkerung.")Aecker und Gärten verödeten. In Litthauen lagen weite Strecken herren-los und unbestellt, allmählig bedeckt von Gestrüpp und Wald, in welchemsich noch viele Jahre später die alten Ackerfurchen bemerkbar machten.Diese Zustände begünstigten die Vermehrung des Wildes in einemhohem Maße und schon durchstrichen von neuem Auerochsen und Bärendiese Gegenden."")
Neben der Ertragung tiefen Grames und Kummers hatte diehinterlassene Wittwe mit vielen Widerwärtigkeiten, veranlaßt durch dievon der Pest herbeigeführten llebelstände, zu kämpfen. Wenn ohne-hin schon eine Frau in den meisten Fällen außer Stande sein wird,das Gebiet der Thätigkeit ihres Mannes auszufüllen, so lag es in denGrenzen der Unmöglichkeit, daß die Wittwe Fabians unter so traurigenVerhältnissen die Verwaltung über mehrere zerstreut liegende Besitzungen
'') Nach Angabe des Obersten Julius Gregorovius in seiner „Geschichte derStadt Neidenburg".
In Ostpreußen wurde der letzte Auerochs im Jahre 1755 und der letzteBär im Jahre 1804 in der Puppen'schen Forst bei Ortelsburg geschossen,II. 4