Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
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ein wohlwollendes fühlendes Herz, das immer bereit war zu helfen.Ihr Vater, der ein frommer Priester war, hatte neben der Fürsorgefür ihre geistige Ausbildung schon frühzeitig in ihre Seele den Keimder wahren Gottesfurcht gelegt. Es war daher auch natürlich, daßin dem Hause Fabians ein Geist echter Frömmigkeit, Sittlichkeit undOrdnung waltete, welcher zu einer der glücklichsten Ehen geführt hat,die mit sieben Kindern gesegnet war.

So waren im inneren Drange der Erfüllung des Berufes undim Genuß eines herzigen Familienlebens die Tage dahingeflossen, alsdas düstere Verhängniß plötzlich mit schneller Hand in den trauten Kreishineingriff. Die Pest war es, welche im Jahre 1709 ein schrecklichesAndenken in dieser so glücklichen Familie zurückließ! der Familienvatermit fünf seiner Kinder, von denen die beiden ältesten Töchter in derersten Jugendblüthe standen, fielen ihr zum Opfer.")

Beklagenswert!) war das Geschick der Gattin. Nur zwei Söhne,von denen der älteste, Namens Fabian, in Königsberg studirte, derjüngere, Adam Friedrich, sich noch auf der Schule befand, blieben vondem jähen Tode verschont.

Diese verheerende Seuche, welche in unserem Vaterlande bereitsin den Jahren 1416, 1459, 1474, 1527, 1559, 1662 ausgebrochenwar, wüthete wiederum in den Jahren 17021718 in vielen TheilenEuropas. Im Jahre 1710 erreichte sie in Litthauen den höchsten Gradder Verheerung. Es muß eine schreckliche Zeit des Elends gewesensein, welche unsere Vorfahren damals durchgemacht haben. Man sperrtePreußen von der Grenze Polens ab; auch verbraunte man alle vondort kommenden Waaren; trotzdem war man außer Stande, die Ein-schlcppung der Seuche zu verhindern. Die Aerzte vermochten nichtsauszurichten; auch sahen die geängstigten Menschen, daß weder Be-schwörungsformeln der Geistlichkeit noch sympathetische Mittel irgendeinen Erfolg hatten. Die Regierung ließ es an thatkräftigem Ein-schreiten nicht fehlen; das strenge Pestedikt vom 12. Dezember 1708wurde von neuem iu Geltung gebracht. Man sperrte die von derSeuche heimgesuchten Ortschaften so viel als möglich ab, indem man

-) Auch im Jahre 1662 hatte die Pest viele Mitglieder der Familie dahin-gerafft. Siehe I. Theil, Seite 46, 59 u. A.