Combinationsgabe und scharfsinnige Kritik zu großen Hoffnungen be-rechtigte. Neben diesen Eigenschaften besaß er ein geniales, einnehmen-des Wesen und eine außerordentliche Fertigkeit in der lateinischen,polnischen und französischen Sprache. Frühzeitig zum brandenburgi-schen Rath befördert, wurde er zur Oberrathsstube berufen und leitetedaselbst als Ober-Geheimer und Lehnsecretair die Bearbeitung der Lehns-verhältnisse des Herzogthums Preußen. In dieser Stellung bewährteer sich als ein treuer Diener jenes Fürsten, der durch die gewaltigeKraft seines Geistes ruhmreiche Thaten hervorgebracht, den Grundsteinzu Preußens Macht gelegt hat, und der von der Nachwelt der GroßeKurfürst genannt wird.
Die amtliche Stellung des Raths und Ober-Geheimen Lehn-sekretairs Fabian Kalau war in Anbetracht der traurigen Zustände,die damals im Herzogthum Preußen herrschten, eine sehr mühevolleund äußerst schwierige.
Um die rastlose Thäügkeit und die unerschütterliche Pflichttreuedieses Mannes richtig würdigen zu können, ist es nöthig, einenRückblick auf die damaligen Zeitverhältnisse zuwerfen. Fabians Ju-gend fiel in die Zeit der Wirren des großen Religionskrieges, inder alle Landestheile vom Kriegsgetümmel heimgesucht, von Plünde-rung und Brandschatzung erschöpft und durch fortwährende und un-erschwingliche Steuern niedergedrückt waren. Sein Mannesalter gehörteder Zeit der kriegerischen Ereignisse unter dem Großen Kurfürsten undder Zeit der Opposition der preußischen Stände an. Am schwerstenwar sein Vaterland, das Herzogthum Preußen, durch die Kriegs-ereignisse und die verheerende Pest betroffen. Zahlreiche Dörfer undStädte waren ausgeplündert und verbrannt, die Pest hatte, unermeß-liche Opfer gefordert, viele Tausende von Menschen waren theils inGefangenschaft, theils erschlagen.
Aber trotz aller Noth und trotz aller Widerwärtigkeiten in diesertrüben Zeit erkannte Fabian Kalau seine Lebensaufgabe darin, für denRuhm des Großen Kurfürsten zu wirken, hauptsächlich, für ihn sich alsFörderer der Lösung der polnischen Hoheitsrechte verdient zu machen.
Die Anerkennung seiner Verdienste, die Huld und Gnade, dieihm von seinem Landesherrn zu Theil wurde, verdankte er den Er-