— 146 —
die ungewohnte lange Reise auf das Gcmüth der Knaben bewirkte.Auch während ihres Aufenthaltes in Rom hielt er seine Schüler von6 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags zu diesen Sprachstudien an.Darnach unternahm er mit ihnen Spaziergänge in die Stadt undderen Umgebung bis 10 Uhr Abends. Hierbei wurde aus Prinzipnie ein Fuhrwerk benutzt, noch irgend Jemand nach dem Wegegefragt. Jeder Montag- und Donnerstag-Nachmittag wurde denKunstsammlungen des Vatikans, des Capitols u. s. w. gewidmet, derSonntag regelmäßig dem Besuche der Kirchen geweiht. Die vonCalo angeordnete rein vegetarianische Kost bei der ununterbrochenengeistigen Thätigkeit in dem warmen Klima wirkte mit der Zeit soerschöpfend auf die beiden Knaben ein, daß sie ans ärztliche Anord-nung wieder regelmäßige Fleischspeisen erhielten. Calo dagegen bliebbei seiner frugalen Lebensweise, indem er beständig seine Studienfortsetzte, seine Schüler beaufsichtigte und nur zeitweise auf dmBibliotheken selbst arbeitete. So kam nach vierteljährigem, demStudium der Künste und Wissenschaften gewidmetem Aufenthalte inRom der August heran mit seiner für Fremde so ungesundenWitterung. Als Calo endlich an eine Uebersiedelung nach Neapeldachte, wurde er selbst plötzlich von einem Fieberanfall heimgesucht,den er nur durch seine ganz ungewöhnliche Willenskraft nach drei-tägigem heißem Kampfe auf Leben und Tod glücklich besiegte — einSieg des Geistes über den Körper, wie ihn nur ciu Manu wieFerdinand Calo zu erringen vermochte, ohne die Hülfe eines Arztes,ohne irgend eine Medizin. Die Reise nach Neapel wurde aufgegeben,aber um eine Wiederholung des Fiebers zu vermeiden, sofort nachFlorenz aufgebrochen. Ein dreiwöchiger Aufenthalt dortselbst wurdein gleicher Weise wie in Rom benutzt und dann die Rückreise ange-treten über Mailand, den Comer-See, München, Nürnberg ec. InDresden nahmen die drei Reisegefährten rührenden Abschied von ein-ander. Mitte Oktober ging Calo nach Bulbus zurück. Der unglück-liche Gedanke des Provinzialschulraths wurde wieder aufgenommen.Calo glaubte eine Erklärung abgeben zu müssen, welche sich gegendie Persönlichkeit des Direktors Hasselbach richtete, und theilte ihmdieselbe offen mit. Der Direktor führte Klage gegen Calo und die