Druckschrift 
[1] (1890)
Entstehung
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widmete mein Vater seine ganze Sorgfalt diesem Berufe. Sein ganzesStreben ging dahin, seinen einzigen Sohn für irgend ein Studiunivorzubereiten.

Damals stand mein Vater auf der Hohe vollster Manneskraftund blühendster Gesundheit. Seine Arbeitskraft war eine kolossale,seine beste Arbeitszeit die frühe Morgenstunde. Im Sommer stander mit der Sonne auf, machte in Gesellschaft seiner Pfeife ser warein starker Raucher) eine Runde durch den geliebten Garten undarbeitete dann ununterbrochen stundenlang, immer stärker qualmend,je wichtiger die zu erledigenden Sachen waren.

Kreischend flog dann die starke, breitspitzige Schwanenfeder überdas Papier, dicke, energische Buchstaben zurücklassend, nicht gar zuleicht zu entziffern, am wenigsten die Namensunterschrift, die, nuraus drei dicken Strichen bestehend, von den Polen tro-F pullli(drei Keulen) genannt wurde. Sein Stil war kurz und bündig undäußerst klar im Ausdruck, seine Briefe erschienen wahrhaft mustergiltig.

Jahr auf Jahr verging nun in ziemlich gleicher Weise, getheiltzwischen Arbeit und Sorge und wenig Erholung. Diese Einförmigkeitwurde inzwischen durch ein freudevolles Familienereigniß unterbrochen.Meine älteste Schwester Albertine verheirathete sich mit dem damaligenAssessor Rauchfuß, nachmals Geheimen Justizrath. Auch trat spätereine Veränderung in unserem häuslichen Leben ein, als mein Vaterim Jahre 1841 neben seinem Amte als Direktor die Ernennung zumKreisjustizrath erhielt, wodurch seine Einnahmen sich fast verdoppelten.Sosort öffnete er aus Rücksicht für seine nun ziemlich erwachsenenTöchter sein Haus der Geselligkeit und gab alles her, um uns derFreuden der Jugend theilhaftig werden zu lassen. Auch besaß er nundie Mittel, seinen Herzenswunsch zu erfüllen, mit meiner Mutter eineReise nach dem Westen zu unternehmen. Ein noch existirendes, vonmeinem Vater geführtes Reisetagebuch giebt lebensvolle Schilderungenvon der Freude des Wiedersehens theurer Jugendfreunde, von denEindrücken, welche Natur und Kunst auf die empfänglichen Gemüthermeiner Eltern gemacht haben. Verjüngt, körperlich und geistig ge-kräftigt, kehrten sie heim, und frisch und froh ging's wieder andie Arbeit.