Druckschrift 
[1] (1890)
Entstehung
Seite
92
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Jurisprudenz. Aufmerksam lauschte er deu Worteu seiner Lehrer, under wollte lieber von neuem ihre Anerkennung verdienen, als die be-reits erworbene wieder verschleudern.

Und was ebenso wichtig ist, er bildete seinen Charakter so, daßer sich den Ruhm eines braven und rechtschaffenen Mannes erwarb.Seine Gestalt war so wohlgefällig, daß sie ihm von der Anmuthselbst verliehen zu sein schien, seine Sprache von der Göttin der Ueber-redung, sein Anlitz von den Grazien. Nichts erinnerte an seineJugend als die Zahl seiner Jahre. Mit Recht also setzte der Vaterdie höchsten Erwartungen in seinen Sohn, der so augenscheinlicheBeweise von Tüchtigkeit au den Tag gelegt hatte.

Aber die Unbeständigkeit aller irdischen Dinge ließ über alles Er-warten schnell jene Hoffnung in Wind und Wellen zerstreuen. Dennam 9. Januar gegen Abend verfiel er in hitziges Fieber und am 16.,früh Morgens 6 Uhr, schlief er sanft und schmerzlos in jene Welt hin-über. Wie groß der Schmerz des Vaters und der Verwandten überseineu frühen Tod war, brauchen wir nicht zu sagen, da dies Jederleicht von selbst begreift. Ja, wenn bei uns jene Sitte herrschte, die,wie die Geschichte lehrt, bei den Alten gepflegt wurde, daß die Jüng-linge vor Sonnenaufgang von den Verwandten bestattet wurden, sohätte auch dieser vortreffliche Jüngling hier, noch bevor der Tag an-brach, zur Ruhe bestattet werden müssen, damit so großes Leid, sogrenzenlosen Jammer die Sonne nicht schaue! Und dennoch, wenn dertief bekümmerte Vater die Sache richtig und mit seinem frommen Sinnebetrachtet, so wird er endlich den Strom seiner Thränen hemmen undwird alles dem göttlichen Willen anheimstellen. Mit der Bestimmungwar er geboren, daß er einmal sterben sollte, wie es seinen Vorfahrenund allen Menschen vor ihm ergangen ist und nach ihm ergehen wird.Der Herr hat ihn gegeben, der Herr hat ihn genommen, denn er istsein; und er wird ihn krönen mit vielem Ruhm.

Wie die Astronomen, wenn Sonne und Mond sich verdunkeln,nicht verzagen, weil sie wissen, daß beide Gestirne bald wieder inHellem Glänze erscheinen werden, so mögen auch wir im festenGlauben an die göttlichen Verheißungen, an die Auferstehung derTodten, uns damit trösten, daß unser Freund nicht gestorben, sondern