Druckschrift 
[1] (1890)
Entstehung
Seite
91
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Müller, ehemaligen hochverdienten Rectors der Altstadt. Daß dieseseine Abstammung von wesentlichem Einfluß auf seine ausgezeichnetegeistige und sittliche Begabung gewesen ist, braucht wohl kaum her-vorgehoben zu werden. Gleichwohl wurden auch strafende Worte beiseiner Erziehung angewendet, die den Nutzen haben, daß sie auch dieverkehrtesten und verdorbensten Naturen bessern, die guten und ver-nünftigen stärken und befestigen. Der Vater nämlich erzog seinenSohn schon von frühester Kindheit an so, daß er weder durch allzugroße Nachsicht verdorben, noch durch unmäßige Härte stutzig gemachtwurde. Sobald er die für den Schulunterricht erforderliche Kraftzu haben schien, brachte ihn sein Vater nach der Löbenicht'schenSchule, da er die Meinung derjenigen nicht theilte, die ihre Kinderlieber zu Hause zwischen den vier Wänden halten, als sie vollenSchulen und öffentlichen Lehrern zu übergeben. Der Knabe besuchtealso zu seinem Glücke und mit großem Erfolge die Schule seinerVaterstadt, und wie

Trefflich ein muthiges Pferd aus geöffneten Schranken dahineilt,Eilt es andern vorbei, jagt es den vorderen nach,"so machte auch er in seinen Studien bedeutende Fortschritte, da ersich bemühte, die Aelteren zu überholen, die Gleichaltrigen und Jün-geren weit hinter sich zu lassen. In seiner Seele lagen die Keimealles Guten und Vortrefflichen, die zu Hause die liebevollen Er-mahnungen des Vaters, in der Schule die der Lehrer zur Blüthetrieben, ebenso wie ein Funke, wenn er durch leises Wehen des Windesunterstützt wird, den größten Brand zu entflammen pflegt. Als er injener Anstalt seine Schulbildung am 22. März 1698 vollendet hatte,kam er an unsere Universität und wurde unter dem Rektorat desvr. nwll. Lepner immatriculirt, indem er außer der allseitigen Em-pfehlung und dem uneingeschränkten Lobe seiner Lehrer einen tüchtigvorgebildeten und von innigster Liebe zu allem Schönen und Erhabenenerfüllten Sinn mitbrachte. Von jener Zeit an achtete er nur auf denWeg, der ins Colleg führt, ging nicht in die Schäuken, vergrub sichnicht in die Speisehäuser und trieb sich nicht auf den Straßen umher,sondern besuchte mit brennendem Eifer die Werkstatt aller Weisheitund Tugend, studirte zuerst Philosophie und widmete sich dann der