Druckschrift 
[1] (1890)
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

stiftung hinterlegte Capital verblieben? Ist es von den nächsten Nach-kommen des Stifters absorbirt? oder ist es, nachdem man angenommenhat, daß die berechtigten Erben ausgestorben sein müßten, weil ingeraumer Zeit keine Ansprüche auf die Stiftung erhoben worden seien,anderweitig verwendet worden? oder hat es vielleicht zur Zeit derKriege und der Noth eine Verwendung gefunden? Die willkürlicheVerwendung eines Vermächtnisfes, entgegengesetzt dem Willen desTestators, erscheint allerdings sehr unwahrscheinlich; sie ist jedoch,trotz aller Anerkennung einer ehrlichen und treuen Verwaltung, untergewissen Umständen nicht immer ganz ausgeschlossen. Der bekannteAusdruck ia gnerrs est 1a guerrs hat seine Berechtigung. Möglichist es, daß die in Rede stehende Familienstiftnng während derKriegszeiten zur Verwendung gekommen ist, mit der Absicht, sie inbesserer Zeit wieder zu ersetzen, ohne daß man später darum be-sorgt gewesen ist. Die Annahme, daß das Stiftungs-Capital unter-schlagen sein könnte, bleibt unter Anerkennung der Gewissenhaftigkeitder altpreußischen Beamten selbstverständlich ausgeschlossen. Jedenfallsist aber das Abhandenkommen der Testaments-Akten um so bedauerns-werther, als der Verbleib und die Verwendung der Stiftung unauf-geklärt bleibt und sich jeder weiteren Beurtheilung entzieht. Nurdas der Stiftung beigefügte Capital von 1000 Thalern als Stipendiumfür Studirende ist noch heute vorhanden und wird dasselbe vomKöniglichen Stadtgericht zu Königsberg i. Pr. verwaltet und ver-geben, wiewohl dies nach dem letzten Willen des Stifters von demMagistrate geschehen sollte.^)

2) Dorothea, jüngste Tochter des Senators Daniel und derAnna Michels, wurde 1634 geboren. Mit 17 Jahren vermähltesie sich mit Friedrich Laußon und starb am 12. Juli 1712.

") Extrakt des Testaments, betreffend die Stiftung des Stipendiums. DieVerwaltung von Stiftungen ist nach der neuen Gesetzgebung den Gerichtenüberwiesen.