Druckschrift 
2 (1891)
Entstehung
Seite
225
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Der bei Graf Philipp Jacob in hohem Ansehen gestandeneGeh. Rath und Amtmann Dr. Sohn, der zum Besten-des Gebiets' wirkte, wurde durch die widersinnigen Befehle und verkehrteRechtspflege Reinharts zur Abdankung gezwungen, woraufvolle Unordnung einriss.

An Verfolgungswahn litt Reinhart III. auch lange Jahre;denn er glaubte sich, als er sich in Mainz in wenig gewählterGesellschaft aufhielt, von seinem Bruder Christof am Lebenbedroht, und entbot er daher, da er sich nirgends mehr sicherglaubte, die Westerburger Bürger bewaffnet nach Mainz, unterderen Geleit er von da nach Cöln zog, was nicht wenig Auf-sehen erregte. In Cöln angelangt, vermachte er, immer nochin dem Glauben, sein Bruder stelle ihm nach dem Leben, ineinem Testament dem Stift und Capitel zu Cöln beinahe dieganze Herrschaft Westerburg. Es war dies für die Agnatensehr misslicli, da damals die Familien vertrage noch nichtwieder neuerdings bestätigt waren. Christof stellte ihm brieflichdas Unsinnige seines Verdachtes vor, doch wurde Reinhart inCöln begreiflicherweise von interessirter Seite in seinem Wahnenur bestärkt. Reinhart wollte zwar, den verschiedenstenStimmungen unterworfen, als er einmal Christofs Briefen Glau-ben schenkte, zu Gunsten desselben Geistlicher bleiben, dannals Obrist nach Ungarn ziehen, dann wieder heirathen, alleinimmer tauchte die fixe Idee des Brudermordes wieder auf.Christof stand, um die Sache nicht zu verschlimmern, davonab, die Angelegenheit beim Reichskammergericht anhängig zumachen, und wandte sich dieserhalb bloss mehrmals ans Wetter-auer Grafen-Collegium, das aber wenig ausrichtete ReinhartsUmgang war ein denkbar schlechter, und schürten diese seineCreaturen den Bruderzwist immer neu an, sodass die meistenseiner tollen Handlungen auf Kosten seiner Umgebung zurechnen sind. In einem von Christof der Nachbarschaft mit-getheilten Rundschreiben wird u. A. erwähnt, dass Reinhart

Brinckmeier, Leiningen. 15