Druckschrift 
2 (1891)
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

- 168 —

nichtgedrängten Willen anheim gestellt- da sie sich aber er-klärt, „sie hätten gegen einander wahre Liebe, herzliche Zu-neigung und unwillkürlichen, ungenöthigten Effekt zu künftigemEintritt christlichen Ehestandes," so gäben die Eltern ihrenConsenz hiezu; wenngleich Bernardine „noch etwas under-jährig sei", so solle doch, sowie sie „zu behäglichem Alter u.mehreren Leiheskräften gelangt sei, mit ordentlichem Beilagerund christlichem Kirchgang verfahren werden." Da LudwigsVater um das Aussterben seiner Linie besorgt war, drängteer zu baldiger Hochzeit und mahnte wiederholt die nochwiderstrebende Gräfin Catharina, die Mutter Bernardinens.Landgraf Georg von Hessen erklärte sich bereit, die Hochzeitan seinem Hofe zu halten, wenn beiderseits Wein, Fleisch undHafer dazu geliefert würde. Gegen die Absicht, die Vermählungauf Alt-Leiningen abzuhalten, überwog das Bedenken, dassdas wasserarme Bergsehloss für ein von so vielen Menschenbesuchtes Fest zu feuersgefährlich sei. Es erschienen zur Hoch-zeit zahlreiche Gäste, so u. A. die Grafen von Pyrmont mit16 Pferden, die Grafen von Waldeck mit ähnlichem Gefolge,Graf Syrnon zur Lippe mit vielen Adliehen („die aufwartenhelfen sollten, weil's dem Landgrafen an Adliehen, insbesonderean Vorschneidern und Truchsessen mangelte") und 100 Pferdensowie viele hessische und Leiningensche Verwandte.

Die Hochzeit fand am 1. Sept. 1578 zu Darmstadt stattund folgte derselben das Fest der Heimführung; ein stattlicherZug von Wagen und Reitern begleitete das junge Paar (Lud-wig 21, Bernhardine 15 Jahr alt) nach Alt-Leiningen 1 ). Beider Hochzeit wurden die schon vom 1. Januar 1578 datirteHeiratsberedung 3 ), sowie der Erbverzicht nebst Wittliums- undMorgengabsverschreibung vom 1. Sept. 1578 ausgewechselt;

') Falkmann, Beitr. zur Gesch. Lippo's. Y. 3. S. 98, No. 13; S. 188, No. 3,

2 ) Oberbronner Akten, Speyer, E. 4301.

11*