107 —
ihm die von seinen Vorfahren althergebrachte Schirmgerechtig-keit, sowie das Recht, die Stiftsherren zu ernennen, bestätigtund der Erzbischof von Trier beauftragtfwurde, für die Wieder-herstellung der Ordnung im Stifte Sorge zu tragen. Die geist-lichen Herren mussten sich fügen, warteten aber nur auf eineGelegenheit, sich an Reinhart zu rächen. Nun liess er 1448auf dem Kirchhofe zu Gemünden neben der Kirche, zur besserenAbwartung des Gottesdienstes,fein Gebäude errichten, wozu erals Schirmvogt das Recht hatte. Die Stiftsherren aber tliatenEinsprache und belegten sowohl Reinhart III. wie die Arbeitermit dem Kirchenbanne, und als er hierauf den GeistlichenFehde ankündigte, schlössen sie ihre Kirche und riefen dieGrafen Johann und Heinrich von Nassau um Hülfe an. Diesebrachten nun zwar einen Vergleich zu Stande, allein trotzdemerwirkten die Geistlichen vom Trierer Erzbischof einen Befehlan Reinhart, das neue Haus abzubrechen, worauf dann dieGeistlichen in's Stift zurückkehren sollten. Aber die Geist-lichen, die der Vorwurf der Sittenlosigkeit verdrossen hatte,fügten sich auch jetzt noch nicht, sie hielten keinen Gottes-dienst, die Kinder blieben ungetauft, die Kranken ohne Trostund die Verstorbenen unbeerdigt. Als Repressalie zog der Grafnunmehr die Stiitsgefälle ein und pfändete Alles, was den Stifts-herren gehörte; die Nassauer, die immer gern geneigt waren,gegen die mächtigen \Westerburger Partei zu ergreifen unddiesen zu schaden, waren darüber ungehalten, und der Zwistscheint bis zum Tode Reinharts sich fortgesetzt zu haben, davon einem Vergleiche oder auch von der Beendigung derIrrung nirgends etwas zu finden ist 1 ).
Den letzten und bedeutendsten Kampf hatte Reinhart mitden stammverwandten Herrn von Runckel zu bestehen. DieHauptveranlassung dazu gab die bei manchen Besitzungen
') Nach Knochs handschriftlicher Chronik.