s2<Z Die Firma K. F. Koehler in Leipzigs Anhang.
teilen wir die Differenz. Das einstige Faktotum der Börse, der alte gemütlicheKastella?? Bogen könnte vieles erzählen, wie einst die Abrechnung für sein Büffettdoch eine weit bessere Einrichtung war als die setzige Stundenabrechnung.
Auch wir Lehrlinge wurden damals mit in das Abrechnungstreffengeführt, indem wir als (iZnittungsmaschine dienten. Es wurde nämlich inden von den Rommittenten eingesandten Zahlungslisten jeder Posten quittiert:und so habe ich an manchem Tage Tausende von malen geschrieben: Erhaltenp. K. F. Koehler. Zu der Hitze des Gefechts wurde wohl auch mitunter einfalscher Posten quittiert, wodurch einem das Gewissen nicht beschwert ward.
Es war aber diese (Hnittierungszeit, die ja an und für sich langweilig,doch eine schöne und erhebende, denn man durfte als bescheideuer Zukunsts-Buchhändler mit den Koryphäen des Buchhandels zusammensitzen. Als ich zumerstenmal die heiligen Räume der Börse betreten durste und in tiefer Ehr-furcht am Abrechnungstische von K. F. Koehler saß, nahm neben mir Tampe ausHamburg Platz. „kvas willst denn du hier, Kleiner," fragte er mich ver-wundert; ich, im Vollbewußtsein meiner hohen Aufgabe antwortete: „Zchqnittiere für Herrn Koehler." Mit einem langen „so" antwortete Tampe, indemer mich von oben bis unten sehr zweifelnd betrachtete. Aber auch mit Pietätgedenke ich noch der einstigen Größen des Buchhandels, welche an deinKoehlerschen Abrechnungstisch erschienen und sich von mir quittieren ließen, desehrwürdigen Kommerzienrates Duncker, des liebenswürdigen Enslin ssu., desfür den Buchhandel so thätigen Frommann, der Herren Dr. Veit, Ruthardt,Rudolf Besser, Zulius Springer, Tarl Hosfmann und vieler anderer.
Damals, in den Zeiten des alten Abrechnungswesens hatten die HerrenVerleger eine riesige Geduld, indem sie bei einem größeren Kommissionär oftzwei bis drei Stunden sitzen mußten, ehe sie an die Reihe kamen, — jetzt istallerdings den Meßabrechneri? die Sache leichter gemacht.
Die großen Tantate-Festessen gab es damals auch noch nicht, an? Tantate-Sonntag waren die anwesenden Kommittenten Gäste des Kommissionärs; ichsehe sie im Geiste noch um die Tafelrunde bei Koehler sitzen, die alten liebenHerren bei Leipziger Allerlei mit Koteletts und Zunge, welches Gericht niefehlen durfte; natürlich mußte auch Hummer als symbolisches Schreckbild allerBuchhändler auf dein Menu, wie der Deutsche die Speisekarte zu bezeichnenpflegt, stehen. kvie es den Herren Kommittenten geschmeckt, ivieviel siegetrunken und auf was alles getoastet wurde, verinag ich freilich nicht zuberichte??, da ich diesen opulenten Mahlzeiten nur durch das Schlüsselloch bei-wohnen konnte. Doch so viel wurde mir schon damals klar, daß die Kom-mittenten-Essen zu dei? schönsten Errungenschaften der Leipziger Gstermesse gehörenmußten. Koehler war aber auch im verein mit seiner liebenswürdigen Gattii?ein so überaus anregender Gastgeber, daß sich eii? jeder, der ii? diesen? Hauseweilen durfte, wohl befinden mußte. Es lag ja überhaupt in der Zeit, daßdas Verhältnis zwischen Kommissionär und Kommittent damals eii? engeresund geradezu freundschaftliches war, während sie sich gegenwärtig vielfachnur geschäftlich berühren.
Es war ein viel kleinerer Kreis, der sich am Tantate-Tage um denKommissionär sammelte, als es jetzt der Fall ist, wo man erst Tour halte??und sich vorstellen mnß, denn alljährlich tragen die Kommittentenessen eineandere Physiognomie, weil die Firmen nnd derei? Besitzer nicht mehr so kon-stant sind, als es früher der Fall war. kver ii? früherer Zeit regelmäßig