Gskar Bondes Erinnerungen. ^07
zur Messe nach Leipzig kam, traf stets liebe alte Freunde au, mit welchen erHerz au Herz frohe Tage verlebte, fetzt heißt es „ein ewig Kommen — undewig Gehen, ein nimmer träger Stillestand," alljährlich tauchen eine Mengeneuer Gestalten auf, um im nächsten Jahrs schon wieder zu verschwindein
Wie anders sonst, wie viele Zahre habe ich sie mit großer Regelmäßigkeitalljährlich zur Gstermesse im Koehlerschen Hause versammelt gesehen, die HerrenRuprecht ssu.-Göttingen, Sauerländer-Frankfurt, Braumüller-Wien,Groos - Karlsruhe, Klasing - Bielefeld, Schweizerbart - Stuttgart,Sporleder - Züllichau, Barnewitz - Neustrelitz, Trewendt - Breslau,Halbmeyer, den Vertreter der Firma Sauerländer in Aarau u. s. w., und daherrschte dann eine wahre Urgemütlichkeit, — und der Gemütlichste von allen warKoehler! Zch erinnere mich, wie derselbe bei einem fidelen Zusammensein derKommittenten den Markthelfer Wilhelm, der die Bedienung besorgte, beauftragte,Thamxagner aus dem Keller zu holen. Der Ganymed brachte alsbald zweiFlaschen mit dem Bemerken, daß nicht mehr vorhanden sei; „einerlei," rief ihmder humorvolle Koehler zu, „immer eingeschenkt, als wenn's aus Röhrfässern lief."
Für uns Lehrlinge hatte die Messe nach verschiedener Richtung hin ihresehr angenehmen Seiten. Man wurde häufig beauftragt, dieser uud jener FirmaZahlungen ins Haus zu tragen, und da fühlte sich oft der Empfänger,wenn die Zahlung nach seinem Herzen war, bewogen, s Neugroschen Douceurzu verabreichen, ja, ich erhielt sogar einmal von der Baumgärtnerschen Buch-handlung in der Petersstraße ; 5 Neugroschen auf einmal — — das wareine glückliche Zeit.
Dann aber winkte vor allem dem Lehrling, welcher bereits die hoheStufe des Auslieferers erklommen hatte, noch eine besondere Freude durch einMeßgeschenk, welches er von demjenigen Verleger erhielt, dessen Auslieferunger zu besorgen hatte. Es war im Zahre Sonnabend nach Tantate
nachmittags s Uhr, als ich als Auslieferer des Velhagen öc KlasingsehenVerlags nach der Meßwohnung des Herrn Klasing in Stadt Hamburg gerufenwurde. Nach eiuigen Instruktionen, die ich bezüglich der Auslieferung von ihmerhielt, drückte er mir geheimnisvoll ein Papierchen in die Hand; als ich das-selbe draußen öffnete, kam ich vor Freude ganz aus Rand und Band, fünfblanke Dukaten sah ich in meiner Hand, die bisher noch kein Goldstück alsEigentum gehalten. Doch damit waren die Meßfreuden des Lehrlings nochnicht erschöpft, denn auch der Prinzipal erfreute uns am Sonnabend vorPfingsten noch durch ein Meßgeschenk.
Noch sei zur Vervollständigung dieses kleinen Meßbildes erwähnt, daßdie Herren Verleger erst dann Leipzig verließen, nachdem sie die Häupterihrer Lieben genau gezählt, d. h. Inventur ihres Lagers aufgenommen hatten.Die vielen rohen Bücher, die es damals gab, wurden in Ballen geschnürtund mit einer Etikette versehen, auf der z. B. zu lesen stand: zoo Müller,Leitfaden w. Bergehoch standen sie und stehen vielleicht noch, die geistigenSchätze, bis sie einstens ihr freud- und ruhmloses Dasein in einem Viktualien-geschäft enden. Doch das ist ja nichts Neues und wird sich forterben vonGeschlecht zu Geschlecht als eine unheilbare Krankheit des deutschen Buchhandels.
Zm Zahre ;szg vollzog sich dadurch eine große Wandlung im Koehler-schen Hause, daß das Geschäftslokal in das Haus des Advokaten Dr. Römischin der Nikolaistraße verlegt wurde, es war dies gegen die bisher inne-gehabten Räume in der Rittcrstraße eine wesentliche Verbesserung. Als erster