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willigenzeugnis haben und von ihren Heldenthaten als Reservcleutuants träumen.Und diejenigen, welche in Leipzig ihre Studien machen, haben Gelegenheit sichdurch die so vortreffliche Buchhändlerschule wissenschaftlich auszubilden. —
Einen besonderen Lichtpunkt in dem Leben des einstigen Leipziger Buch-händlerzöglings bildete die Gstermesse. Ulan bezeichnet unsere Zeit vielfachals eine schnelllebige und das ist sie auch in des Wortes vollster Bedeutung.Wohl nirgends tritt dies deutlicher zu Tage, als bei einem Vergleich derLeipziger Buchhändlerinesse vor vierzig und fünfzig Jahren und der heutigen.Welch gewaltiger Unterschied! Wie durch den Dampf, den Telegraph unddas Telephon die Welt eine andere geworden, so sind auch die Menschengrundverschiedene gegen früher; während sonst jeder auf seiner Lebensgeigepianissimo spielte, wird jetzt alles in fortissimo heruntergearbeitet. Dies Drängenund Treiben offenbart sich auch in der Gstermesse der deutschen Buchhändler,und man gebraucht jetzt nicht so viel Tage zu deren Abwickelung, als dereinstWochen dazu nötig waren.
Ach ja, es war eine schöne, gemütliche Zeit, wenn die alten lieben Herrenschon vor Zubilate Einzug hielten in der Meßstadt, durchdrungen von deinGedanken: „Mein Leipzig lob' ich mir." Die größeren Verleger wohnten meistin den Häusern, in denen sich ihre Niederlagen befanden und wo noch einbis zwei Zimmer gemietet wurden, in welchen sie ihre oft schweren Häupterniederlegten. An den betreffenden Häusern wurden kleine, auf Wachstuch geschriebeneFirmen, wie Duncker öc Hnmblot aus Berlin, pierersche Hofbuchdruckerei u. s. w.aufgehängt. Außerdem gab es noch eine besondere Spezialität von Männernzur Alesse, es waren dies die Herren Meßmarkthelfer, eine Species vonMenschen, welche längst ausgestorben ist. Sobald die ersten Lerchen schwirrtenund Zubilate in Sicht war, zogen sie nach Leipzig, um sich für drei bis vierWochen der Litteratur zu widmen; es waren meist Männer, die früher inLeipzig als Markthelfer gearbeitet hatten und dann durch Gründung eineshäuslichen Herdes in irgend ein Dorf verschlagen worden waren. Alljährlichzur Gstermesse kehrten sie nun zu „ihrem Meßbuchhändler" zurück und warenbei diesem das Mädchen für alles. Morgens wurde ausgekehrt, Aleider ge-reinigt, Frühstück besorgt, dann wurde sich ins Geschäft gestürzt: Nemittendenausgepackt, Wege besorgt, Zahlungen geleistet u. a. m. Der einstige LeipzigerMeßmarkthelfer war eine gewichtige Persönlichkeit, es waren alte gemütlicheHäuser, die sich aber während ihrer Wirksamkeit im Reiche des deutschen Buch-handels nicht wenig dünkten.
Nachdem nun die in Leipzig eingetroffenen Verleger sich in ihrer Meß-wohnung eingerichtet hatten, begann die Auspackung der Nemittenden, welche,seit Wochen hoch aufgestapelt, die Niederlagen anfüllten. Die Nemittenden-fakturen wurden sodann in die sogenannten Abschlußbücher eingetragen, eineEinrichtung, die jetzt wohl auch über Bord geworfen worden ist. Donnerstagvor Tantate begann dann bereits die Abrechnung, welche zehn bis zwölf Tagedauerte, jetzt beginnt sie am Tantate-Montag früh acht Uhr und mittag zwölfUhr ist alles vorbei. Freilich ging es früher auch gründlich zu, vor Beginn der Börseglich die Nitterstraße einem Wüstenzug; während bei diesem Aamele hoch-beladen einherschreiten, waren dort Markthelser an Markthelfer zu schauen,welche hohe Stöße von Buchhändlerstrazzcn zur Börse schleppten. Zu diesenwurde nun herumgegrast, wenn die Sache nicht stimmen wollte, und wennzwei zusammenkamen, die gern glatt werden wollten, dann hieß es wohl auch: