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Das Buchhandlungshaus K. F. Koehler in Leipzig : 1789 - 1889 ; ein Rückblick auf s. 100jähriges Bestehen
Entstehung
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Zg Die Firma A. F. Uoehler in Leipzig. I. ;7S9—;SZ0.

und an Wochentags-Abenden in meinem Stäbchen so glücklich fühlte.Damals gewöhnte ich mir besonders das schon erwähnte «lesen mit derFeder in der Hand an, welches allein wahren Nutzen bringt, soll dieLectüre nicht blos zur flüchtigen Gemüths-Erheiterung und zur Zeithin-bringung dienen. Des Prinzipals günstiges Urtheil darüber mag auseinem an mich in späterer Zeit sfis^s) nach Frankreich geschriebenen Briefehier Platz finden, welchen ganz mitzutheilen ich mir deßhalb erlaube, umzugleich die erlangte liebevolle Theilnahme desselben zu erweisen.

„„Wie Sie zu mir in die lehre kamen, ärgerte und wunderte ich michzugleich über die vielen Hefte, die Sie vollgeschrieben hatten; es warensehr nützliche Bemerkungen darin. Bald sah ich ein, daß Sie sehr wohl-gethan hatten, sich in so etwas zu üben. Es hat doppelten Nutzen; esgewährt eine stete, fortgesetzte nützliche Beschäftigung und dient zugleich,alle müßigen Gedanken, sinnlichen Vorstellungen und was daraus hervor-geht, von sich fern zu halten, weshalb ich Sie auch, nachdem ich Sienäher kennen lernte, wirklich schätzte und liebte, ohne daß ich es Ihnenmerken ließ, um Sie nicht stolz zu machen. ,Wenn nurfi sagte meineFrau oft, ,unsre Unaben so gut würden, wie der junge Preusker, undwenn er nur nicht in das böse Frankreich gekommen wäre/ Doch sucheich sie zu beruhigen und sage: preusker ist in den frühesten Iahren vonfesten und tugendhaften Grundsätzen beseelt gewesen, und jetzt reift er denmännlichen Iahren entgegen, ist nachdenkend und hat die Spreu vondem Weizen unterscheiden gelernt; auf seinen festen Sinn kann man sichwohl verlassen cc. Daß Sie also oft erwähnt werden, können Sie sichleicht denken.""

„Wohl mußten solche Briefe mich ermuthigen, die gute Weinung vonmir zu rechtfertigen, und mich auf der rechten Bahn zu erhalten. Er-freulich war es mir, daß mir auch das fortgesetzte Wohlwollen der Familiezu Theil wurde.

„Uebrigens ward es nöthig, Französisch und kaufmännisches Rechnenzu lernen, und statt der schlechten Handschrift eine gefällige rundlicheRaufmannshand einzuüben. Wie überhaupt der Buchhändler wenigstenseiniger, auf einem Gymnasium oder in einer Realschule erworbenen wissen-schaftlichen Bildung unbedingt bedarf, so kam auch mir der auf demLyceum genossene Unterricht, sowie zugleich der schon etwas gereiftereVerstand trefflich zu statten, um bald dem Geschäfts gewachsen zu sein.Es ward, als das Hauptersorderniß bei den Buchhändlern, möglichsteBücherkenntniß anzueignen gesucht und um darin stets fortzuschreiten,wurden von mir in einem mit weißem Papiere durchschossenen: Exemplaredes Hinrichs'schen halbjährigen Tataloges der neuen Schriften, die seitdemneu erschienenen, zu deren besserer Uebersicht nachgetragen, da es damalsnoch keine dieselben verzeichnenden Buchhändler-Börsenblätter gab, auchdabei die in den fleißig durchseheneu Literaturzeitungen enthaltenen Re-censionen und deren hauptsächliches Urtheil darüber mittelst kurzen Worten,oder auch Zeichen angemerkt; ebenso bearbeitete ich nach Art des Reper-toriums der Literatur von Ersch streng systematische Uebersichten in Hin-sicht der naturhistorischen Literatur der Jahre 530s und ;soi. Diesesehr mühsame Arbeit war für eine, mit mehreren Studenten gegründeteliterarische Gesellschaft zur gegenseitigen Beurtheilung von Aufsätzen be-