Karl Preuskers Erinnerungen. ^c>
überdicß diente meine, auch damals in den freien Stunden eifrig fort-gesetzte Beschäftigung mit Lieblingswissenschaften zugleich zur genügendenAbhaltung von Müßiggang und Langeweile, und den, durch diese oftherbeigeführten Abwegen. Köhler's Buchhandlung bot mir genügendeGelegenheit dar, alle Zweige des Geschäfts kennen zu lernen, indem sieaußer dein betriebenen Sortimentshandel, d. i. mit von anderen Buch-händlern gedruckten und verlegten Schriften, auch eigenen Verlag verbandund die Tommissionsgeschäfte für eine Anzahl auswärtiger Buchhandlungenzu besorgen hatte. Ich lernte dabei zugleich auch das Druckerei-, dasRecensions- und Redactionswesen, sowie überhaupt das schriftstellerischeWirken und Treiben allseitig kennen. Damals war die, auf die Ritter-und Räubergeschichten folgende, Periode der empfindsamen Romane, dergemüthlichen Familiengeschichten und sogenannten biographischen Romanenoch in Flor: Schilling, Schulz fLaun), Kotzebue, Haken, Winkler fTH.Hell), Zschokke u. a. waren gesuchte Autoren; besonders aber war derprotestantische Prediger Aug. Lafontaine bei Halle der hervorragendsteund beliebteste Verfasser von wohl so solcher Romanen, die von Leih-bibliothekaren und vom Lesepublikum stets sehnsuchtsvoll erwartet wurden.Ich wurde also mit dieseni Zweige der Literatur genau vertraut, zumalunsere Handlung die Versendung zahlreicher derartiger Schriften zu be-sorgen hatte, wogegen Schiller's und Goethe's Werke nur spärlich abgesetztwurden.
„Köhler hatte unter seinen Tommittenten auch den früher sehr bekanntenBuchhändler Weygand in Leipzig, einen alten Geizhals, der einst seinemalten treuen Bedienten, welcher bei dem Eingießen von Medicin einigeTropfen vergossen hatte, deshalb einige Groschen von seinem kärglichenLohne abzog. Ungeachtet ich ihm oft bedeutende Geldsummen zu über-bringen hatte, erhielt ich dennoch nie das gebräuchliche Doucenr, dagegenstets aber ein paar gute Lehren auf den Weg. — Da Köhler auch die Tom-mission der Zenaischen Literatur-Zeitung hatte, so gelang es mir, manchesNähere von dem nicht immer parteilosen Getriebe dieser Recensions-Anstalt zu erfahren, deren Besitzer, der reiche Professor Hofrath Eichstädt,von ähnlichem Geize beherrscht war; er setzte z. B. den Gerichtshalternseiner Rittergüter stets nur ein Glas Wein vor, mit der Betheuerung,daß er von diesem Weine stets auch nur ein Glas aus Gesundheitsrücksichtentrinke. Da er sich oft von einem seiner Güter zum andern fahren ließ,aber den Kutschern nie ein Trinkgeld gab und einer derselben sich beidem Rittergutspachter deshalb beschwerte, so übergab dieser dem Hosratheinen Gulden zum Trinkgeld, mit der Bitte, es dem Kutscher zu über-reichen, welches jener ungescheut annahm und dem Letzteren die eineHälfte davon übergab, die andere aber für sich behielt. Solche Erzäh-lungen coursirten damals von beiden Geizhälsen.
„Zn dem Buchhändlergeschäft war ich nun so recht in meinein Elemente,ich konnte die von mir geschätzten literarischen und anderen Zeitschriften,wie alte und neue Bücher durchsehen, dadurch meine Wißbegierde be-friedigen, und manches Interessante in meine schon in Läbau über diemeisten Wissenschaften angelegten, und zu leichter Auffindung stets in strengsystematischer Ordnung gehaltenen Tollectaneen eintragen. Noch denke ichmit Vergnügen daran, wie ich mich bei diesen Beschäftigungen Sonntags