Die Firma U. F. Aoelfler in Leipzig. I. -^szo.
ich dadurch mit den Novitäten bekannt ward, und manches Interessantedarin fand.
„während des ersten Vierteljahres meiner Lehrzeit hatte ich von einemälteren, in der Handlung befindlichen, sehr verschmitzten Lehrburschen vielzu leiden, welcher mich bei dem Prinzipal als faul und ungeschickt möglichstanschwärzte und, um weniger beobachtet zu sein, mich wiederum fortgeschicktwünschte; es fehlte auch nicht viel, daß mein Prinzipal, der jenem zuviel vertrauen schenkte, mich als unbrauchbar den Eltern zurücksendete,wie er dein Vater auch bereits geschrieben hatte, der aber auf einerDurchreise durch Leipzig um längere Prüfung bat. Man denke sich meineUeberraschung, Angst und Sorge, als der Vater mir die so ganz ungeahnteBeschwerde über mich mittheilte. Nach Löbau wäre ich auf keinen Fallzurückgekehrt, ich bot mich vielmehr für den Fall der Entlassung bereits,obwohl fruchtlos, einem Advocaten, sowie einem Bücherauctionator alsSchreiber an, und sann auf andere Auswege, z. B. noch zu studiren, denneinige selbst unbemittelte lansitzer Studenten wollten mich in ihr Logisaufnehmen, für das Tonvict sorgen u. s. w. Da wendete sich plötzlichdas Blättchen. Zener Lehrbursche ward kurz vor den weihnachtsfeiertagen,als er sich für diese bereits aus der (Lasse mit Geld versehen hatte, vomPrinzipal als Dieb entdeckt, und ohne weiteres fortgejagt; mir abergelang es, durch Eifer und Treue das vom Prinzipal von dieser Stundean nur geschenkte vertrauen zu rechtfertigen, und sein Wohlwollen zugewinnen, welches er mir auch lebenslänglich bewahrt hat. Zch ver-mochte bald des Entlassenen Geschäfte genügend zu versehen, die jaohnehin mit meinen Neigungen übereinstimmten. Nun konnte ich michso recht mit Büchern beschäftigen und mir die ansprechendsten zum fleißigenLesen in den Freistunden auswählen, sowie ich auch in dem Umgangemit einigen bildungseifrigen anderen Buchhandlungslehrlingen und nochvon der Schule her befreundeten studirenden Landsleuten manchen erfreu-lichen Genuß fand. Darauf aber, daß ich nur mit achtbaren jungenMännern umging, hatte mein Prinzipal genaue Aufsicht, und seinen Be-lehrungen und Warnungen dankte ich es noch lebenslang, nicht auf Ab-wege gerathen zu sein. Das seit dem mehr und mehr eingetretene Ver-hältniß, daß die Lehrlinge nicht wie zu meiner Lehrzeit bei dem PrinzipaleRost und Logis erhalten, ist unbezweifelt nachtheilig, da sie außer denGeschäftsstunden sich selbst überlassen, und ohne genügende Erfahrungnur zu leicht auf Abwege gerathen.
„vom Prinzipale und seiner würdigen Gattin überhaupt mit fastpflegelterlicher Güte uud Fürsorge behandelt, verlebte ich seit jenem erstenVierteljahre eine sehr vergnügte Zeit. Zch war aber auch bestrebt, inder für unerfahrene Zünglinge so leicht gefahrvollen Stadt stets auf deinrechten Wege zu verbleiben. Zu diesem Zwecke wurden mir oft vor dieAugen kommende Gedenkzettel mit ausgewählten Lebensregeln oder auchuur mit darauf bezüglichen einzelnen Worten oder Buchstaben angewendet,wie dies und ähnliche Erinnerungszeichen später in einigen meiner Schriftennach Franklin, Salzmann rc. zum Hüten vor Unrecht und zu beeifertemStreben nach allseitiger Vervollkommnung anempfohlen wurden. Aller-dings trug die fleißige Fortführung der Tagebücher nicht minder dazubei, auf die stete sorgsame Beachtung der Lebensbahn hinzuweisen, und