Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
354
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Wenn sie auch die tramigen Zeiten von 1806 und 1807 mitdurchkosten musste, so war es ihr doch noch vergönnt, dieErhebung.'Preussens und die Befreiung Deutschlands mit zuerleben, welch Letzteres sie,, mächtig 1 "berührt hat.

Ueber diese ihre politischen Anschauungen heisst es inHorn, Buch von der Königin Luise, S. 3 und 9 von der Land-gräfin Marie Luise Alb.:Sie war eine ächte Pfälzer Natur,lebhaft von Gemüth, klar in ihren Anschauungen, natürlich inihren Aeusserungeti, reich besaitet in ihrem Gefühl und voneiner rückhaltslosen Wahrheit des Herzens. Ihre französischeBildung zeigte sich nur als eine dünne Plattierung der kern-gesunden, tüchtigen, anmuthenden, , deutschen" Natur derLandgräfin. Sie gab etwas, und man kann sagen: sogar sehrviel auf ihre hohe Stellung,.und vielleicht hatte sich dieses ausge-prägte Standesbewusstsein in ihr herausgebildet als ein Akt derOpposition gegen die Prätensionen Lies französischen Adels;nach ihrerganz richtigen"Meinung war der vornehmste fran-zösische Edelmann lange noch nicht einer reichsunmittelbarenFamilie des deutschen Reiches ebenbürtig? 1 Französisch sprachund schrieb sie officiell, pfälzisch sprach sie im Familienkreiseund gut deutsch dachte?sie; mit diesen Eigenschaften verbandsie den tiefsten, ausgeprägtesten rPeutsehen"Familiensinn."

Anekdoten sind mehrere von ihr erhalten 1 ):

Wenn die Vorleserin bei einem französischen Roman aneine Stelle kam, die der Landgräfin für die jungenPrinzessger"(Friderike und Luise) unpassend erschien, rief sie in ihremPfälzer Dialekt:Hüppe Se, hüppe Se, aber lege Se e Zeche(Zeichen) nei'." Von Leuten, die ihr nicht sympathischwaren, sagte sie häufig:Gege die (oder den) werd ich nurganz kalt heplich (höflich) sei" Am Hannoverschen Hofenannte man sie dieSchachtelgräfin," weil sie stets auf ihren

') Pfälzer Museum 1888 No, 11.