wenn man noch weiter die keineswegs scharfe Auseinander-haltung von Reichs- und königlichem Hausgut in Betrachtzieht, ein territoriales Uebergewicht verschaffte, wie dies inkeinem andern Theile Deutschlands auch nur annähernd derFall war. Seit der Gründung der drei grossen geistlichenStiftungen Ostfrankens, der Bisthümer Würzburg und Bam-berg und der Abtei Fulda, hatte sich dann allerdings durchdie reichen Güterschenkungen, mit denen die Könige dieseihre geistlichen Schöpfungen begabten, jener riesenhafteIlausbesitz ganz bedeutend verringert, doch war derselbeimmer noch an Umfang bedeutender geblieben, als der jedesandern Grundbesitzers in Ostfranken. Erst seit dem Aus-gang des 12. Jahrhunderts begann dann dieses Reichs-bezieh. königliche Hausgut zusammenzuschwinden, als diehohenstaufischen Könige zur Vergabung desselben an ihreAnhänger gezwungen wurden, deren Dienste sie für ihrevielfachen auswärtigen Kriegszüge in immer steigendemMasse in Anspruch nehmen mussten.
Doch kehren wir nach dieser Abschweifung wieder zuden speziellen Nürnberger Verhältnissen zurück! Hein-rich V. belagerte die Burg, als er den Vater, der ihm zulange regierte, im Jahre 1105 bekriegte, und bezwang sienach zweimonatlicher Einschliessung durch Vertrag.!) Wennder Nürnberger Chronist Meisterlin berichtet 2 ), dass indiesem Jahre der Burggraf (praefectus) Gottfried und Kon-rad von Razaza die Burg zu Nürnberg, deren Hut ihnenHeinrich IV. anvertraut habe, gegen Heinrich V. standhaftbehauptet hätte, so entbehrt diese Nachricht der Glaubwür-digkeit. Allerdings bezieht sich Meisterlin für dieselbeauf eine Handschrift, die er im Kloster Kastel 3 ) aufgefunden
') Vita Heihr. IV. c. 9. Mon. SS. XII. p. 278.
a ) Chroniken der deutschen Städte. Bd. III. S. 86.
3 ) Südwestl. von Amberg, Bendictinerkloster.