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3 (1907)
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hat er mir erzählt: Als ich mit dem Reste meiner Reiter dem Schlachtfelde den Rücken wenden mußte,als das vernichtende Feuer der feindlichen Infanterie, nicht Säbel und Lanze des Gegners, unsereSchwadronen dezimierte, da versank vor mir alles, was ich durch lange Jahre in meiner schönen Ivafse

Der Divisionär GM. Graf Toudonhove will die Regimenter aus der kritischen Nähe der feindlichen Batterienbringen; langsam reiten sie ab. Da zeigen sich zwei Kavallerie-Divisionen des Gegners, und noch mehr, Bataillone undBatterien — denen darf man nicht entrinnen, man muß sie packen. „Umkehrt-Schwenken nnd Attaque!" ist das Kommando,Hurra! Das ist Erlösung; nun kommen sie doch daran, des Kaisers Kürassiere. Preußen Nr. 8 vorwärts, Wrangcl,die Schwarzen von Nr. 2 im zweiten Treffen, Baiern und Neipperg Nr. Zt) nnd 12, alles Kürassiere, rückwärts. Alexander-Ulanen Nr. 11 seitwärts und in Roserve, so gchts zur Attaque.

Blauröcke drüben: das sind die ncumärkischen Dragoner von Nr. 3, die Spitze der preußischen Kavallerie-DivisionHann. Sie sehen verwundert die Wcißmäntel heranbranscn. Ist das ein geschlagenes Heer? vorsichtig weichen sie, nurdrei Schwadronen stark, dem Anpralle aus, aber schon sind die braudeuburgischcn Ulanen nahe. Infanterie und Kanonennicht weit: da dürfen sie's riskieren. Au der Spitze der Kürassiere von Nr. 8 reitet ihr Brigadier GUI. Alfred Fürst znIvindisch-Graetz, von gutem Soldatcngeschlechto also, ein alter Eisenrcitcr vom 8. Regiment, Rittmeister damals. Nun ister ihr Führer; sein wehender grüner Fedcrbusch, sein blinkender Säbel weist den Reitern die Bahn. Suchen ihn auch desFeindes Kugeln und Klingen, er will der Erste sein, der Erste am Feinde. Dreißig Schritt vor der Front ist er, allensichtbar, allen ein leuchtend Exempcl. Sein Blick wendet sich prüfend zurück. Werden diese Schwadronen die blutige Probebestehen? Abgetriebene Gäule, aber frische Reiter mit blitzenden Augen und blitzenden Pallaschen — mit diesen Reiternkann er's wagen.

Uber eine ebene Wiese führt der Weg. „prächtiger Galoppierboden," meint der Fürst, und Major Bcalcs, seinNachbar, glaubt es gern. „Marsch, Marsch!" donnert es nun, und „Hurra, Hurra!" antwortet es aus allen Reiterkehleu.Die gute oder böse, nein, wir möchten dennoch sagen: die gute „romantische," alte Zeit! General und (Offiziere voran,keine Klugheit, kein Decken und Überlegen, nichts als flammender, versengender Rcitcrgcist. Aug' in Aug' mit dem Feinde,Säbel an Säbel, die schnaubenden Rosse hart aneinander. Schon grüßen die letzten, versprengten Jäger die anbrausendcnBrüder zu Pferde. Wer noch kann, hebt den Kolben und läßt ihn niedersauscn auf den feindlichen Reiter — wer aber daunten liegt auf dem bebenden, fcuchtkalten, blutgetränkten Boden, den tausend, zweitausend Husschläge treffen, der hebtschirmend die Hand über das Auge und blickt angstvoll dein sicheren Ende entgegen. Furchtbar ist der blutige Ernst desKampfes, der einzelne ist nichts in der Stunde der Entscheidung. Seid barmherzig, ihr rasenden Rosse, der Sturm trageeuch hinweg über die blutenden Kameraden.

Wir schon sie alle vor uns, im Bilde, in der neubelcbten Gegenwart: den ersten mächtigen Stoß der Weißengilt's gegen die Blauen! Roß und Reiter, sie treten heraus aus der toten Leinwand ins volle, wild wogende Leben. Dasist der Fürst; im Sattel hebt er sich, hoch auf zeigt sein Säbel, niemand Übersicht ihn, alle kennen das Ziel, die Ehre derösterreichischen Reiter. Ein Husar hinter ihm; im braunen Mantel ist er nicht zu verkennen, es ist das markante Kleidder Iazygier von Nr. 13: Rittmeister zur Helle ist's vom Brigadcstabo; noch ein Husar, ein lichtblauer, im Hintergründe —alles andere besorgen die weißen Kürassiere. Doch halt, ein „Fremder" noch: der sungc Vberst mit den dnnkelroten Paroliund der breiten Fcldbindc über der Brust, „unpraktisch" nach unserer aufgeklärten Zeit, im Angesichte des gut treffendenTodes! Das ist Prinz Hohenlohe, (Ordonnanzoffizier dos Grafen Elam, den es unwiderstehlich hierher gezogen hat zu denkämpfenden Kameraden. Dort links, der schneidige Leutnant, der den Pallasch hochschwcnkt, Stephan Ritter von Nachodsky,ist heute General und erkennt sich sicher wieder in der Jugend seines Rciterlebcns. Ein blutjunger Kamerad vor ihm rastauf blutendem Rosse vorwärts: Leutnant (nun Vberst) Graf Noßlitz. Den Rittmeister dort, der den Pallasch dem tapferenNeumärkcr tief ins Herz stößt, kennt man als schneidigen Reitcrsmann: Theobald Graf Ezernin ist sein Name. Mittenunter den Blauen, den Seinen weit voran, kreuzt Vberst James Baertling, der Kommandant der jungen Damxicrres, dieKlinge mit einem erlesenen Gegner: Major von Schleinitz. Hart an ihm reitet Gbcrstleutnant von Willisen, der Führerder Neumärkcr, vor; er zeigt den Schwadronen den würdigen Feind, dem sie am Abend des Sieges staunend begonnen —ein Kampf, Mann gegen Mann, wie es einst war, als die Ritter noch ihre Speere und Schwerter zerbrachen im männlichenStreite. Die flatternden, zerrissenen Standarten hoch über dem Kampfesgcwoge, Wahrzeichen des Vaterlandes, für das siestreiten, diese Krieger ruhmreicher Heere!

Man nennt sie uns alle, die Namen, die noch heute klingen oder die verklungen sind für immer: Alfred vonRcmiz (heute Generalmajor), Ernst Graf Wurmbrand (wenn wir nicht irren, Rittmeister der „Arciercn"), Georg Prinz vonethnrn und u.aris, Wenzel Freiherr von Kotz — aber auch die, die man uns nicht nennt, die aber zn diesen Reitern undRittern von damals gehören, der Gemeine, wie sein ritterlicher Führer, ihnen allen gilt dies Bild!

Bilder bauen kein Drama auf, sie malen nur eine, die größte Szene. Diese sehen wir hier: das Melee

der Weißmäntel von unseren 8. Kürassieren mit den Dragonern der Ncumark. Mächtig ist der Stoß unserer Reiter; ertrifft und zersplittert die Front der Blauen. Und vorwärts jagen die 8., gefolgt von Wrangcl (heute Paar) Nr. 2, vorwärtsam Abend des 3. Juli. Da donnern des Feindes Batterien, da knattern die Zündnadclsalven, und in der linken Flankestattern die schwarz-weißen Fähnlein der brandenburgischen Ulanen. Kanonen haben unsere Reiter nicht mehr zur Hülfe;sie sind längst verbraucht in früherer Stunde. Der Pallasch also muß wieder allein entscheiden. Hier die Säbel derKürassiere, dort die Piken der feindlichen Ulanen, und mitten hinein in dieses wogende Meer des Kampfes senden diepreußischen Batterien, Freund nnd Feind tätlich, ihre Geschosse. Da löst sich das Gefiige des Regiments; in seine Teile