Druckschrift 
3 (1907)
Entstehung
Seite
113
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N3

gefecht '») am Abend dieses Schlachttages, wo die Regimenter Prinz Aarl von Preußen und Graf wraugel(Brigade Fürst Alfred Windisch-Grätz) wohl die Ivaffenehre retteten, aber trotz großer Verluste dasSchicksal des Tages nicht wenden konnten, entschied auch über das Schicksal von Rarl Lippert, wie oft

) Das dem Buche beigefügte Bild des Reiterkampfes bei Stresetitz (Königgrätz) ist eine Reproduktion desberühmten Koloffalgemäldcs von v. Sochor (Prag, Thorgassc 15) im Besitze Sr. Majestät'des Kaisers Franz Joseph I. Überdieses Bild, das die Porträts verschiedener Offiziere bringt und sich auszeichnet durch große Naturtreue nud genaue Detail-Ausführung, schreibt Oscar Teuber in der wiener Zeitung! Ja, das sind sie, die Reiter von Stresetitz, so war es damals,so ritten sie an in jener späten Stunde der Schlacht, da alles verloren war, da die Banner Österreichs sanken und diese ganzeherrliche Armee zurückflutete, zerschellt an den Massen des Feindes, verblutend unter dem Schnellfeuer der Bataillone, denenunsere Muskete träge Autwort bot und das Eisen unserer Bajonuette nicht mehr nahekommen konnte, hat sie der Malergesehen, diese weißen Aiiraßrciter, ist er unter ihnen gewesen, wie sie die Klinge aus der Pallaschschcide rissen, wie sie denSchwadronen des Feindes jubelnd entgegonflogen, um noch einmal das Unheil zu bannen, den Kameraden von, Fußvolkeund den eisernen Kanonieren Rettung vor dem drohenden verderben zu bieten? Fast glauben wir es, denn sein Bild istLeben, ist Wahrheit, blutige nud lebendige Wahrheit, wie heißt er doch, der Künstler, der diese Vergangenheit, diese furcht-bare und doch so glorreiche Stunde am Tage des Unglücks zur Gegenwart gemacht, der die Männer von damals, die längsthinabgesunken sind oder den Schnee des Alters aus ihre Häupter gelagert haben, vor uns stellt, durchglüht von dem Feuerhauche der Jugend, strotzend in kriegerischer Kraft, zu Riesen anwachsend im vcrzwcifinngskampse um des Tages Ehre?

Ein Name ohne leuchtenden Ruhin, ohne tönenden Klang, ein Mann von schlichter Herkunft: v. Sochor. Unddennoch nennt man ihn heute, den Künstler aus Böhmen, als Sensation des Kllnstlerhanses, dennoch drängen sich vorseinem Werke die Blasierten und Nicht-Blasierten und sind gebannt von der Kraft dieser dramatischen Kunst im Bilde.Und schwerer als das Votum des Kenners wiegt uns in diesem Falle das wort des Granbarts, der nachdenklich vor derRiesenleinwand steht und seinen Blick nicht trennen will von diesem wildwogcndeu Kampfe. In seinem Auge leuchtet es:ein Wort des Grußes drängt sich ihm über die Lippen, er möchte es hinüborrusen den Reitern, in ihre Reihen zieht es ihngewaltig, denn auch er ist Kenner, er war dabei und findet sie wieder, alle wieder, die ihm damals zur Seite stritten unddie er niemals wiederfindet, außer auf dieser Leinwand . . .

Das war um die fünfte Stunde — '/»ö Uhr sagen die ganz Genauen, vorbei war alles, gebrochen alle Hoffnung,zertrümmert Bataillone, die nie gewankt, nie gewichen waren aus einem Kampfesfelde, verloren Ehlum und Rozbieritz,nmsonst geflossen das kostbare Blut nur jene Stätten; das Verhängnis hat sich erfüllt, und Abend wird es am 3. Juli 186k,Abend für Österreichs Heer. Ingrimmig folgen die Besten dein traurigsten aller Befehle; sie führen die dezimiertenRegimenter vom aufgegebenen Schlachtfelde. Aber stumm und still ist es noch nicht auf diesem Felde dos Schreckens. Nochsprechen die österreichischen Kanonen ihre furchtbar beredte Sprache; dem triumphierenden Sieger senden sie niederschmetterndeGrüße; ihr Mund will sich nicht schließen, es sei denn, das Leben wäre aus ihren Linien gewichen und einsam würde esda und dort um eine — Batterie der Todten.

Noch andere aber sind da, die den Tag nicht beschlossen haben, die dem eilenden Laufe des Schicksals steuernwollen — das sind die Regimenter der Reserve-Kavallerie Österreichs. Eisenfest stehen ihre Divisionen; cisenfeft steht dieIII. seit vier vollen, bangen Stunden hinter jener gewaltigen Linie der 160 Kanonen, die mit den preußischen Geschützenvon Höhe zu Höhe tätliche Zwiesprache halten. Kürassiere sind's; die weißen weiten Mäntel heben sich ab von dem nassenGrün der Wiesen und dem braunen, zerwühlten Ackergrundc, Ulanen ihnen zur Seite. Die Kugeln des Feindes finden ihreReihen und trennen sie mit verderbenbringenden Geschossen. Und sie schließen sich wieder, immer wieder. Murren möchtendie Alten und die Jungen, aber die eiserne Disziplin lebt auch im Donner der Schlacht, und nur die Offiziere vorn gestattensich ein wörtlcin der — Ungeduld in diesen kritischen Stunden, „warton, bis ihr daran kommt," tröstet der Chef, und dochprickelt es auch in den Adern des kühnen, schneidigen Generals, der nun die Front seiner Brigade — Preußen- und wrangcl-Kürassiere — abreitet. „Bravo, Kürassiere! wie am Exerzierplatz steht das Regiment!" sagt er und betrachtet die Reitermit den scharlachroten Aufschlägen. Ein altes Regiment, „uralt," und das reichste an Kricgsruhm und Privilegien inÖsterreich! Die Nachfolger jener Arkebusirer und Kürassiere Dampicrres, die einst Kaiser Ferdinand II. in der Burg zuWien Leben und Krone gerettet haben und deshalb allzeit frei passieren dürfen im Hanse der Kaiser ans Habsburgs Stamme.

Das wissen die strammen Reiter, die all diesen Kaiserdank geerbt haben, und deshalb sind sie von Eisen geblieben,auch als man ihnen das schwarze Panzerkleid genommen und sie modern gemacht hatte, zu Kürassieren ohne Küraß. Darumwollen sie es nicht begreifen, daß man eine Schlacht schlägt ohne sie, daß sie sich mit Kugeln bewerfen und die Klingen inden Scheiden rosten lassen sollen, ohne einen guten Hieb zu tun nach der Väter weise, warten! Auch an euch kommt dieReihe . . . Nun endlich, in der Stunde des Unterganges. Schon ist auch Gablcnz abgezogen mit dem 10. Korps, die3. Reserve-Kavallerie-Division soll seinen Rückzug decken. Starke preußische Kavallcrie-Massen tauchen im Zentrum und aufdem linken Flügel der Österreicher auf; sie wollen die Früchte des Sieges pflücken, die weichenden vernichten. Und siekönnten es, wenn es keine österreichischen Reiter gäbe, den Kanonieren gleich an peldonblut und Opfermut. Schon sinddie Kürassiere von Damxicrre — sie tragen an diesem Tage den Namen eines edlen Feindes, des Prinzen Karl von Preußen,der ihnen gegenübersteht — fast Klinge an Klinge mit ihnen, im Kreuzfeuer der preußischen Batterien zwischen Problusund Stresetitz. Neue Lücken reißen die Projektile des Gegners ins Regiment; es rührt sich nicht; ein Granatsplitter reiszteinein Leutnant, dem lustigsten von allen, die Eßschale vom Ulantelsacke. „Schaut's, Kürassiere,' meiut er lachend, „nichteinmal das Essen gönnen einem die da drüben" — es war sein letzter Scherzi die nächste Granate schließt ihm den Mund.