Druckschrift 
3 (1907)
Entstehung
Seite
62
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verschließen können, daß der Dienst unter den geschilderten Verhältnissen aus die Dauer meiner Gesundheitdoch ernsten Schaden bringen mußte. Auch dachte ich an die Möglichkeit, bei einer Versetzung vielleichtnoch weiter nach dem Osten zu gelangen. So reifte denn bei nur der Entschluß, mich nach einer Ände-rung umzusehen. Im Begriff Schritte zu tun, teilte mir der schon oft genannte Oberst von Linsingen mit,den ich zu Rate zog, daß das Bezirkskommando Lübeck im Herbst frei würde. Linsingcn unterhielt Be-ziehungen in Lübeck, wo er das 3. Bataillon 76 von 1896 bis 1895 kommandiert hatte. Das sehrbegehrte Kommando in Lübeck zu erhalten, war nicht leicht. Ich stand im II. Korps, war wohl imIX. Korps noch nicht vergessen, mußte aber befürchten, daß mit großer Ronkurrenz zu rechnen war. vorallem mußte ich die Geneigtheit des zeitigen kommandierenden Generals in Altona, von Massow, gewinnen.Ich wandte mich an meinen alten Gönner, den Grafen Ivaldersee, nach Hannover, wo er als Inspekteurwohnte, und bat um seine Vermittlung. Sofort schrieb er nur, daß er helfen wolle, und am 16. Juni,dem Tage der Einweihung des Elbe-Trave-Ranals, wenige Ivochen, bevor er nach Thina ging, spracher den General von RIassow in meinem Interesse, der dein einstigen Vorgänger sich geneigt erklärte, einenOffizier wieder ins Korps auszunehmen, der dort lange Jahre hindurch seine Schuldigkeit getan hätte. Ichhatte durch diese Mitteilung viel gewonnen: eine Zusage. Doch noch vergingen Monate, der zeitigeKommandeur, Oberstleutnant von Ezettritz^), in seiner Gesundheit schwer erschüttert, konnte sich nicht rechtentschließen, den Abschied einzureichen und zuletzt lag ja doch die Entscheidung beim Rabinet. So nahmdenn der Dienst in Stettin vorläufig seinen Fortgang für mich, von Mitte Juni bis Mitte Juli warich mit meiner Frau in Misdroy, während unsere Tochter Elisabeth seit ihrer Konfirmation^) Ostern1966, in einer Pension in Lausanne war. Nach Rückkehr von Misdrop führte ich einige Ivochen dasRegiment für den beurlaubten Kommandeur (Otterstedt war Kommandeur der Kriegsschule in Glogaugeworden) und dann begannen die großen vorbereitenden Nbungen für das in Aussicht stehende Kaiser-Manöver. Der Exerzierplatz bei Kreckow c. ck. ist der eigentliche Truppenübungsplatz, wenigstens fürInfanterie und Kavallerie des II. Armeekorps. So war das dortige Barackenlager von Mitte Juli biszum Manöver unausgesetzt belegt und die Regiments- und Brigade-Exerzitien von 9., 54, 42 ic. :c.folgten sich und die Garnison Stettin war rege beteiligt. Ich entsinne mich kaum eines Tages, daß wirnicht früh, an: frühesten Morgen zu irgendeiner großen Nbung oder Besichtigung als Freund oder Feindausgerückt wären, so daß schließlich das eigene Regiments- und Brigade-Exerzieren, das Manöver eineErlösung war dieser auch eintönig werdenden täglichen Schlachten. Die Kompagnien fanden kaum dieZeit zur Erledigung der kleinen und großen Schießübungen in der Garnison und wieder Richtung Grenz-dorf. Eine Vorbereitung für das Manöver, Anzug usw., war nur mit Zuhülfenahme der Nacht undvon Zivilschneidern zu erledigen. Endlich rückten wir aus zu den Detachementsübungen, pencun, Gaartz a. O.,unter Langenbcck selbst, da Abel erkrankt war, und daran schloß sich das Kaiser-Manöver, amrechten Oderufer, über Greiffenhagen a. O. für uns beginnend. Paraden in Stettin, Feldgottesdienst aufdem Hofe der Grenadier-Kaserne, Parade-Diner im Schloß und durch den achttägigen Aufenthalt S. M.in Stettin die nötige Unruhe, und des militärischen Glanzes Entwicklung, gingen vorher, obgleich fürStettin die Anwesenheit des Kaisers nichts Neues war. Im Januar d. I. erst war er bei uns gewesenim tiefsten Schnee. Die Manöver verliefen ganz kriegsgemäß, so daß wir, obgleich Stettin oft sehr nahe,mit dein Orte ohne alle Verbindung blieben. Niemand wußte am Morgen, wohin ihn der Abend führte,ob ins Bivouak, auf Vorposten oder in ein kleines, überlegtes Dorf. Mir war diese Nachrichtenlosigkeiteine Hluclle der Sorge. Ivurde uns doch an: 16. September, einen Tag nach Rückkehr aus den:Manöver, eine kleine Tochter geboren, welche in Lübeck getauft^) 16. Januar 1961 die NamenAgnes Taecilie erhielt. Das Ivetter während der Nbungen war gut, das Manöver selbst gegen dasGardekorps trug dein II. Armeekorps reiche Anerkennung ein voi: Allerhöchster Stelle. Ans kommandiertein einer gemischten Division 128., 5. Gren., 148., 149. der Herzog Albrecht von Württemberg, durch

") Früher Hauptmann unter Dankclman II./7Ü., gestorben Baden-Baden 28. Mai 1901.

") Durch Pastor Pauli. Durch Domprediger Petersen.