Druckschrift 
3 (1907)
Entstehung
Seite
54
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Greiners Leib- und Lieblingsbad will ich nicht schildern. Es ist bekannt und sehr zu loben. Ich besuchteauf der Hinreise Frankfurt a. AI. und meinen Freund Langerseldt in Nassau, auf der Rückreise Heidelberg.Im Jahre 1896 war ich mit Frau und Rind in Aissingen, von dort mit der Familie (Schwiegerelternund die Geschwister aus Amerika) in Harzburg, vom 14. Juni bis Ende August. Auf der Rückreisevon Aissingen erlebten wir in Erfurt das stärkste Gewitter, dessen ich mich entsinne, in der Post, wohinwir uns vor dein Regen geflüchtet hatten. Am 12. September 1896 erfolgte nieine Ernennung zumMajor, aggregiert dem Regiment, und es schlug die Stunde der Trennung von Stade und meiner Aompagnie.Jedes Avancement ist für den Soldaten eine Freude, die Veränderung nicht immer angenehm. Ich habemich sehr über meine Ernennung gefreut, wenn auch mein hochverehrter Gönner in Altona bei derMeldung mir sagte: Sie sollten ja ein Jahr früher werden, von meiner Aompagnie schied ich mitTrauer. Das Verhältiiis war ein so gutes, echt patriarchalisches nannten es meine Aollegen, die Aompagniehatte so sehr ihre Pflicht getan und mir durch ihre Leistungen genützt, daß ich ihr wohl bessere Zeitengewünscht hätte unter den Nachfolgern. Ich schied von meinen Leuten mit den besten Wünschen fürihre Zukunft und mit den Worten: Ihr habt mir geglaubt, was ich sagte, und getan, was ich befahl.Das ist viel, sehr viel. Jeder alte Soldat wird mir das bestätigen. Wo vertrauen ist und Gehorsam,gelingen dem Führer auch schwierige Aufgaben. Noch in Stettin inachte mir es Freude, durch denPhotographen zu hören, mein letzter Jahrgang habe 75 Einzelphotographien eines Bildes von mir bestellt.Die guten Aerls hatten den alten Hauptmann noch nicht vergessen. Nachdem ich noch vier Wochen dasBataillon für den Major von Dassel geführt hatte, siedelten wir Mitte Oktober nach Bremen über, wohinich gehörte zum Stabe des Regiments. War auch Bremen die Vaterstadt meiner Frau, der Wohnsitz derGroßeltern des Aindes, beiden, wie nur, wurde der Abschied von Stade schwer, zumal uns die letztenTage noch viele Beweise der Anhänglichkeit brachten.

Dem Regiment aggregiert, ist ein Verhältnis, nicht unwillkommen nach der arbeits- und verant-wortungsreichen Zeit als Aompagnie-Ehef. Dieser Zustand darf aber nicht zu lange dauern, denn man istdas fünfte Rad am Wagen. Nun wird mit Recht zwar in der Armee dafür gesorgt, daß ein jeder seineTätigkeit findet, man wird beschäftigt als Aufsicht, als Oberaufsicht, in zahllosen Aommissionen, mit Vorträgenund Ariegsspiel, auch hier und da zur Vertretung Beurlaubter herangezogen, alles aber Dinge, die keine großeBefriedigung hervorrufen, da man nicht für die eigene Sache arbeitet. Die liebenswürdige Persönlichkeitdes Regiments-Aommandeurs (Barton gen. von Stedmanp") machte aber den Ausenthalt in unmittelbarerNähe doch sehr angenehm und erfreulich. Es war mir eine besondere Freude, einen Wunsch des aus-gezeichneten Mannes erfüllen zu können durch Aufstellung der Stammliste des Offizicrkorps. Diese Arbeitwar mechanisch, das Resultat hat aber doch für die Geschichte eines Regiments, für den Nachwuchs, wenndie Söhne die Uniform der Väter anlegen, großes Interesse. In meiner Stellung hatte ich wiederGelegenheit, die Umgegend Bremens, Achim, Syke, Osterholz und weiter, mir wohl bekannt aus denfrüheren Dienstverhältnissen, auf häufigen Übungen wiederzusehen. Zu den weiteren Übungen wurdedamals fast nur die Bahn benutzt. Die näheren Ortlichkeiten waren mehr und mehr durch Anbau fürgrößere Übungen unverwendbar geworden. Im April und Mai ging das Regiment zun: Regiments-und Brigade-Exerzieren in das Lockstedter Lager. Ich kehrte nach kurzem Aufenthalt dort in die Garnisonzurück, um die Ausbildung von Landwehr-Aompagnien zu übernehmen, die in den verlassenen schönenAasernen Unterkunft fanden. Auch im Herbst begleitete ich zwar die Breiner Bataillone") nach Roten-burg zur Schießübung, ging aber nicht mit in das Manöver, sondern wieder nach Bremen zurück, umnochmals Landwehr-Aompagnien auszubilden. Beide Male hatte ich Gelegenheit, mich des großen Dienst-eifers der Landwehrleute zu erfreuen und mich wieder zu überzeugen, welch' vortreffliches Material wirbesitzen in den Offizieren des Beurlaubtenstandes, wenn sie richtig angestellt werden. Rotenburg, nicht

") Gestorben 28. November 1961 zu Bonn a. Rh. nach schweren Leiden als General a. D.

") Das II. Bataillon hatte Harburg verlassen und war nach Bremen verlegt, 1. Gktober 1893. Seinen Platzhatte das schleswig-holsteinische Pionier-Bataillon Nr. 9 eingenommen, dessen Übungsplätze in Rendsburg durch die Anlagedes Nord-Gstsee-Aanals unbrauchbar geworden waren.