Druckschrift 
3 (1907)
Entstehung
Seite
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geschick meines Bruders Albrecht. Schon krank, unheilbar erkrankt, hatte er seine Buchhandlung inHalberstadt verkauft und eine neue in Hannover erworben, ohne Frage mit nicht ausreichenden Mitteln,Die geschäftlichen Sorgen raubten dem Ärmsten den Rest der Gesundheit, aus dem Manöver 1892 wurdeich nach Hannover gerufen, fand den Bruder vom Schlage betroffen, die geschäftlichen Angelegenheiten inVerwirrung. Mein Bruder starb nach schweren Leiden am 5. September 1894, erst 40 Jahre alt, undhinterließ uns die Sorge für seine Familie und seine Angelegenheiten. Die Todesnachricht gelangte imManöver verspätet in meine Hände. Ich konnte nicht dem Begräbnis beiwohnen, wie oft habe ichdamals und später der Worte Schenkendorfs gedacht: Fahr Bruder wohl, Gespiele in froher Kinderzeit,Du schrittest vor zum Ziele, Du Jüngerer, wie weit. Der Rümmer und die Sorgen um diesen Sohn undseine Familie hatten auch unsere teure Mutter sehr mitgenommen, Sie erkrankte im Winter 1895 ernstlichund wir waren auf das Schlimmste gefaßt. Da wurde uns die Theure, Unersetzliche noch einmalerhalten und wieder geschenkt.

Um schließlich auch noch einige mehr oder weniger unangenehme, meine Person betreffende Vor-kommnisse zu berichten, so hatte ich am 10. Juli 1889 das Unglück, in der Rhiensförder Heide bei Stademit dem Pferde zu stürzen. Ein ausgezeichneter preußischer Fuchs, den ich schon als Bezirksadjutant inBremen besaß, trat in voller Karriere in ein Maulwurfs- oder Mauseloch, ging kopfüber und wirwälzten uns beide aus der Heide. Ich war schneller aus als das Pferd, so stark war die Gewalt desSturzes. Ich überzeugte mich bald, daß mein rechter Arm schwer verletzt war, er baumelte. Ich knöpfteihn in den Rock, nahm mein Pferd an die Hand und suchte nur Hülfe. In Gestalt von Thausseearbeiternfand ich sie. Diese halfen mir auf den Gaul und im Schritt zogen wir ziemlich kleinlaut nachmittags um6 Uhr in Stade ein. Meine Verletzung war schwer, Bruch des Oberarms in der Kapsel. Und doch gingdiese Sache verhältnismäßig gut und schnell innerhalb vier Wochen zur Heilung über. Später hat sie sichallerdings recht unbequem wieder bemerkbar gemacht und ist mit Ursache geworden, daß ich früher ausder Front schied, als von vornherein meine Absicht war. Leider hatte ich aber durch Emboli« schwereBrustfellentzündung, Venenentzündungen an beiden Beinen, kurz, ein ganzes Konzert von Komplikationenzu bestehen, so daß ich volle zwölf Wochen aus dem Dienst war und erst am 1. Oktober dieses Jahreswieder zu Pferde stieg. Noch lange ging ich mit größter Beschwerde, vor allen weil ein Influenza-Anfalldie Kocn minoris resistentiae sich auch zu seinen versuchen ausersehen hatte. Mein Fuchs war soverletzt, daß er vier Wochen sich nicht legen konnte oder mochte, aus Furcht, nicht wieder aufzukommen.Er hatte eine Verstauchung des Rückens. Doch hat er mir noch gedient bis zum Herbst 1891. Imganzen zehn Jahre treu und ohne Tadel. Ich gab ihm einen guten Altersplatz bei einem Freunde aufden: Lande, dort erlag er einem Kolikanfall kurz vor meiner Versetzung nach Stettin. Ihm war vonden pserdelosen das seine aufs Liebliche gefallen, um mit dem psalmisten zu reden. Er hatte nurdrei Herren gehabt im Leben und zwar drei gute. Da ich nun einmal bei den Pferden bin,den treuen Freunden des Soldaten, so hatte ich auch damit nicht immer Glück. Sie haben vier Beineund daher doppelt so viel Angriffspunkte als der Mensch, ihr Herr. Auch sind sie ein zwar erfreulicher,aber teurer Besitz, und legt man Gewicht auf gute Pferde, so wird mir jeder Kamerad zustimmen, diepreise sind eigentlich immer höhere geworden. Schon 1888 verlor ich das schönste Pferd, das ich je besaß,einen hannoverschen Goldfuchs, infolge der Influenza, welche die nach Lockstedt marschierende OldenburgerArtillerie-Abteilung uns brachte. Ich habe dann manchmal gewechselt, bis ich als zweites Pferd imJahre 1839 im Juni mir in Bremen eine irische Rotschimmelstute kaufte, die ich auch zehn Jahre ritt,mit andern. Die Geschichte dieser anderen ist wechselvoll, daher will ich schließen. Ich habe im ganzen20 Pferde besessen, gekauft und verkauft. Sie waren aber so beschaffen, daß sie mir und meinen vor-gesetzten Freude gemacht haben.

Rheumatische Beschwerden, deren ich schon in der Harburger Zeit gedachte, zwangen mich zuerstim Jahre 1895 zu einer Kur in Wildbad im Schwarzwalde, vom 15. Juni bis 20. Juli. Ich hattevorher den Dienst und ineine Kompagnie nur zu den Festtagen auf kurze Zeit verlassen. Des alten