meines Ahnherrn. Alles auch bis auf die Anschriften wohl erhalten, wie es mein Vater von Zeven ausfand und wie es im Bande I S. 54 unten sich verzeichnet findet. Ein eigenartiges Gefühl beschleichtwohl jeden, der herz hat und Gemüt, der von Interesse erfüllt ist für die Geschichte seines Geschlechts,wenn er die Stätten betritt, an denen seine Ahnen wohnten, weilten und wirkten. Wie schön hat Uhlanddieses besungen in seiner „Vätergruft" und wenn ich auch nicht mit dem Ritter sagen konnte: die Särgemeiner Ahnen standen die hall' entlang, aus der Tiefe tät mich mahnen ein wunderbarer Gesang! soumwehten mich doch die Schauer der Vergangenheit und ich gedachte des Wechsels von Zeit und Ver-hältnissen dort in der alten Kirche im öden heidelande, vorübergehend nur belebt von den Tausenden imWaffenschmuck, die dorthin die Manöver aus ihren Garnisonen geführt hatten. Übrigens teilte nur derPastor mit, daß sein Kirchspiel 38 Dörfer umfasse, daß er im Winter oft nicht in der Lage sei, seineAmtspflichten auszuüben der schlechten Wege und der großen Entfernung wegen. Als ich nach Stadezurückkehrte, fand ich die alten Akten des Pfarramtes Selsingen noch aus der Zeit meines Ahnherrn aufder Regierung. Seine persönlichen Eintragungen mit fester und deutlicher, sorgfältiger Schrift sind vielstatistischer Art. Anzahl der Geburten, Trauungen, Todesfälle, der Konfirmanden. Nur hier und dafand ich Bemerkungen über den Umfang des Amtes und der Arbeit, auch über Krankheiten und vorallen den Tod der ersten Gattin am 4. April 1724. Sie ruht in Selsingen. Ihr Grab fand ich nicht,von Stade aus habe ich ein Bild von Nicolaus Eggers im Eichenholzrahmen für die Sakristei nachSelsingen geschickt; wie früher in Harburg für die Sakristei der Stadtkirche das Bild^) meines Urgroß-vaters Johann Konrad Eggers.
Waren wir dann nach dem Manöver wieder in Stade vereint jmeine Frau war während desManövers meistens verreist, in Pyrmont, auf dein Andres, in Hannover, Bremen und an anderen Orten),so begann mit dem Winter eine sehr angenehme Geselligkeit, eine Fortsetzung des freundschaftlichenSommerverkehrs, Die Familien der Regierung, des Landgerichts, des Konsistoriums, einer Anzahl Ärzteund Pastoren, auch einige weifische Familien bildeten einen sehr netten Kreis mit vielen und wechselndenInteressen, neben den Familien des Bataillons. Ich nenne nur Namen: heyer, Düring,^) Marschalck,Woltmann, Wangenheim, Rusack, Brockmann, Decken, Zwehl, Lauer, Naumann, Gerling, Oppcrmann.In Buxtehude wohnte mein Schulfreund Or. W. Nöller als Kreisphysikus, mit ihm und seiner liebens-würdigen Frau, einer geb. Merckel aus Göttingen, haben wir viel und lebhaft verkehrt. Auch die ver-wandten beiderseits in Hamburg nicht vergessen, wenn auch die nicht immer günstige Eisenbahnverbindunggerade nach Hainburg oft störend war. Mehrfach führten gemeinsame Festlichkeiten im Regiment unsnach Bremen und Harburg.
So darf man nach meiner Schilderung annehmen, daß die Zeit in Stade dienstlich und außer-dienstlich eine angenehme war. Doch wo Sonne ist, ist auch Schatten. Zuerst erlebte ich in den erstenIahren in Stade in der Kompagnie allerlei Dinge, die mir Gelegenheit gaben, Erfahrungen zu machen,die aber doch recht betrübender Art waren. Im Sommer 1883 fand ein Offizier beim Revidieren derabgelegenen Pulverturmswache meinen besten, anscheinend besten und eifrigsten Rekruten schlafend. Diesehr große Mittagshitze hatte den armen jungen Mann, nach durchwachter Nacht, übermannt. Statt nun,der Vorschrift entsprechend, den Soldaten abzulösen, ließ der Offizier den Ärmsten mit seinen Gedankenallein und die Ablösung fand ihn nach einer Stunde am Gitter hängend, todt. Er hatte aus Furcht vorStrafe mit einer Schnur, die er zufällig bei sich führte, sich erhängt. Der Vater verlor den einzigen Sohnund da der Geistliche sich nicht bewegen ließ, mit zum Kirchhof zu gehen, sprach ich am Grabe einigeWorte. Das war scheinbar falsch. So sehr ein solches Ereignis bewegt, der militärische vorgesetzte, derHauptmann muß sich vielleicht hüten, einem Ereignis Bedeutung zu verleihen, das doch stets zu verur-teilen ist. Acht Tage nach diesem traurigen Ereignis erhängte sich der Bursche eines Offiziers, gleich
Und später in Ratzcburg für die von ihm 1. August 1791 geweihte St. Petri-Airche.
Amtsgerichtsrat von Düring war ein Sohn des Vberhauptmanns von Düring in Meinersen, des Amtsvorgängersmeines Vaters. Mir schon bekannt aus meinen Ainderjahren.