Neustrclitz, Pasewalk nach den Detachen:entsübungen in Ntecklenburg-Strclitz im Wanövergelände ein:Die sehr anstrengenden Tage mit fünf Bivouaks hintereinander verliefen gut durch das herrliche, wennauch sehr warme Wetter. Die ausgedehnten Verhältnisse von vier Armeekorps boten uns glänzende Bilderan den einzelnen Tagen, zeigten uns viele der beiwohnenden Fürsten (Kaiser von Österreich, König vonSachsen), ließen uns wie natürlich über Zweck und Ursachen der einzelnen Bewegungen, der uns betreffen-den Befehle, in den Tagen selbst nur Vermutungen anstellen. Uut einer glänzenden Parade der Kavallerie-Divisionen sallein sechs Regimenter Kürassiere) schloß diese Zeit. Die letzte Nacht in plöwen, fuhr ichmit dein Bataillon an Stelle des beurlaubten Kommandeurs am frühen Worgen von Löcknitz nach Stadezurück. Ich ahnte nicht, daß ich im Jahre 1898 dieselbe Gegend noch oft an der Spitze meines Bataillonswiedersehen sollte. Riem letztes Wanöver als Kompagnie-Thef 1896 führte mich in die Gegenden desengern Vaterlandes, von wo der Zweig meiner Familie, dem ich entstamme, nach Verlassen der VaterstadtHamburg seinen Ausgang nahm, nach Zeven und Selsingen. Schön ist dieser Teil Hannovers nicht.Uäoor und Heiden von großer Ausdehnung bedecken diese Gegend. Schon mein Vater, der als jungerBeamter in Zeven stand, hatte den Aloorrauch nur geschildert, dessen Dichtigkeit ein Weiterfahren oft zurUnmöglichkeit macht. Und noch war diese Gegend nicht erschlossen. Die Chausseen waren gut, die Land-wege tief und gewiß im Winter und Frühjahr lange Zeit unpassierbar. Noch fand ich viele Häuser ohneSchornstein, die reichsten Bauern in Schmutz und Unsauberkeit verkommen, die Häuser erfüllt von Rattenund Rläusen. Dein Dorfe Anderlingen, welches vier Tage mein Hauptquartier war, möchte ich einDenkmal setzen. Dort händigte mir der Bauer abends einen starken Knüttel ein, um nachts mich derRatten und Nkäuse zu erwehren, mit den Worten: Herr Hauptmann, hier hebt Se den Rluusknüppel.Dieser Wann hatte vor Jahren als Gefreiter bei meiner Kompagnie gestanden unter Ludwiger. AltereUnteroffiziere kannten den einst jungen und schmucken Soldaten kaum wieder in seinen: vernachlässigten,verräucherten Äußern. So ist der Uäensch abhängig von Verhältnissen und Umgebungen. Und doch warer einer der größten Bauern des Dorfes, reich an Vieh und — Kindern (9). Nur meinen Pferden ginges gut. Sie wurden so gemästet, daß nach Ankunft in Stade irgendein Passant sagte: denen sieht manauch das Umnöver nicht an. Zevens) bekannt durch die unglückliche Konvention der hannoverschen Armeemit den Franzosen von: 8. September 1757, ist ein verhältnismäßig freundlicher Flecken. Ich sah mirden Ort mit besonderen: Interesse an. Dort hatte mein seliger Vater von 1846 bis 1848 gestanden,hatte dort in einem Hause gewohnt, das noch stand, und seinen Nlittagstisch in: Gasthause Grote genommen,welches jetzt in: Besitze des Sohnes, während die Nlutter, die alte achtzigjährige frühere Wirtin aus derZeit meines Vaters, noch lebte. Auch das alte Amtshaus stand noch, zwar in einzelnen Teilen erneut,bei dessen Bewohnern mein Kommandeur der Oberst von Stedman in: Quartier lag, während wir un-mittelbar vor dem Orte auf Vorposten standen. In meinem Besitz ist ein Brief meines Vaters von:1. Januar 1848 an seinen Bruder August, in welchen: er die Unmöglichkeit schildert, zun: Weihnachts-fest nach Gifhorn zu kommen, wo der Großvater das schloß bewohnte. Er verlebte das Weihnachtsfestbei seinen: alten Amtmann von pufendorff, der ihn: einen silbernen Serviettenring verehrte, den ich nochheute besitze. Von Anderlingen war ich nach Selsingen geritten, dort hatte mein Ururgroßvater NicolausEggers, nach bewegten: Leben als Feldprediger in: Heere Karls XII. und Reiseprediger des HerzogsLudwig Rudolf von Braunschweig-Lüneburg, die erste Stelle als Propst bekommen, war dort in: Amtegewesen von 1722 bis zu seiner Versetzung als Superintendent nach Ebstorf 1730, hatte dort in demeinsamen Heidedorfe seine erste Frau verloren, die geb. Holmer aus Haniburg, und dorthin aus Telle diezweite Gattin, Susanne, geb. Chappuzeau, geführt. 166 Jahre später schritt ich durch die alte, noch ganzerhaltene Kirche. Ihre massigen Verhältnisse, unter andern ein kolossaler Turm, hatten den: Wechsel derZeiten besser widerstanden als der Weitsche:: Geschlechter. Der liebenswürdige Pfarrherr, Pastor Dreyer,obgleich sein gastliches Haus bis unter das Dach mit Einquartierung besetzt war, ließ es sich nicht nehmen,den Nachkommen seines Amtsvorgängers zu führen. Alles war in der Kirche erhalten, wie zur Zeit
Hiernach berichtigt sich der Druckfehler in Bd. I. S. 58 Note, 4. Zeile.