die verwandten aus Hamburg, das ja durch seine Nähe sehr lockte, viel bei uns gesehen, die Beziehungenmit den Blecklenburgern fleißig kultiviert, So war meine Frau mit dem Kinde lange aus Gorow imAugust und September 1387, ich Ende des Jahres. Bas Jahr 1886 hatte mir allerdings, bald nachder Bataillonsvorstellung und einem Besuche in Hannover mit Frau und Kind zum 66jährigen Geburts-tage meiner Acutter, im Juni eine Reise nach Wiesbaden gebracht zur Rur. Die Feldzugserinnerungcnwaren in Gestalt eines hartnäckigen Lumbago schuld daran, In Harburg war es auch, daß ich meinenFreund KundI») den berühmten Afrikareisenden, begrüßen konnte vor und nach seiner Kongofahrt,vonwelcher er schwer verwundet zurückkehrte, und vor seiner Ausreise nach Kamerun, die ja das Ende fürihn brachte aller Unternehmungen durch ein schweres Nervenleiden. Wir waren in Hainburg zusammenmit noch anderen Offizieren und Bekannten aus unserer Elsasser Zeit, die bereits alle dahingingen,während Rund noch eine Reihe von Jahren lebte, aber seine einst so herrliche, unverwüstliche Gesundheitnicht wieder erhalten hat.
War der Ort unschön, so war die nähere und weitere Hingebung der Stadt ungewöhnlich günstigbedacht durch die herrlichen Wälder. Auf guten Pferden, auch zu Fuß, zu Wagen haben wir diese wirklichausgedehnten, mit guten Wegen versehenen, sich durch Tiefen und Höhen weithin erstreckenden Laub-waldungen besucht und häufig durchmessen. Überhaupt für dienstliche Zwecke, für Ausbildung der Truppewar Harburgs Umgegend bequem, vielseitig wechselnd und außerordentlich günstig ausgestattet und gelegen.And über dem allen, dem herrlich'wechselnden Gelände, lag, weit hinaus in das Land schauend, die schöneneue Raserne auf dein Schwarzen Berge. Biel günstiger als in Bremen hätte Harburg das Ideal seinkönnen für ein detachiertes Bataillon. Dieses Bataillon war aber von den 3. Bataillonen des Regimentsdurch einen Zufall ganz unglücklich zusammengesetzt und blieb es, trotz der sehr verständigen Regiments-Rommandeure damals. Ts ist eben sehr schwer, aus der Ferne zu urteilen und zu erkennen. Bataillons-Rommandeure waren zuerst ein Rlajor von Brandenstein, dann der Freiherr Eberhard von Danckelman,Nachkomme eines Bruders des in der Geschichte bekannten Premierministers Königs Friedrich I. Brandensteinwar gewiß ein vorzüglicher Adjutant gewesen in seinen früheren Dienststellen, aber ein Frontsoldat mit praktischenAnlagen war er weniger. Danckelman hatte viele gute militärische Eigenschaften, verstand den Dienst, abernicht die Leitung seines so schwierigen Offizierkorps. Danckelman wäre sicher hieran gescheitert, wenner nicht durch einen schweren Sturz mit dem Pferde im Alanöver 1888 bei Röbel i. AI. invalide gewordenwäre. Ihn deckt bereits der kühle Rasen und auch den, welcher seinein Bataillons-Kommandcur das Lebenzur Hölle machte, den damaligen ältesten Hauptmann Freiherr von Tzettritz und Neuhaus. Ein tüchtigerKompagnie-Thef, aber ein Slave, entzückend liebenswürdig, dann schroff, launig, zanksüchtig und ungehorsam.And es gelang dem eitlen, aber konsequenten Wanne nur zugut, das Offizierkorps völlig auseinander-zubringen, Parteien, Kliquen zu bilden, gegen den Kommandeur zu intriguieren, daß selbst der offenkundigeUngehorsam ungestraft hinging, weil der Kommandeur das einmal verlorene Spiel nicht wieder in dieHand bekam. Die anderen Hauptleute waren indifferente Naturen, es fand sich unter ihnen keiner, derdie undankbare Aufgabe auf sich genommen hätte, einen versuch zu inachen, entweder zu versöhnen, oderdie Sache zur Sprache zu bringen. Rlcrkwürdig hat das Schicksal später an Tzettritz gerächt, was er ver-schuldet. Auch ihm hatte das Schicksal einen Untergebenen bcscheert im Bataillon, der nicht zu densogenannten angenehmen gehörte. Gern schied ich aus diesen Verhältnissen, um nach Stade in günstigerezu gelangen. Frau und Tochter mußte ich in Harburg zurücklassen. Das Kind war sehr krank gewesenan Bronchialkatarrh und der eisigkalte Winter 1887/88 wurde abgelöst durch ein trostloses Frühjahr.
6°) Kund starb als Major a. ?. im Gstseebade Sellin auf Rügen am 31. Juli 1904 und ist dort auch begraben.Wenige Wochen vor seinem Ende war ich noch mit ihm längere Tage in Berlin zusammen. Ich erfreute mich deranscheinenden Erholung, die sich im Befinden des treuen Freundes zu äußern schien. Er war von Interesse, ganz der alte,wie ich ihn aus seinen besten Jahren im Elsaß, nach dem Kriege 1870/71 kannte, aber doch, trotz seiner stattlichenErscheinung, ein verlorener Mann. Er war mein Freund, er war's in Lust und Leiden, — um dessen Stirne einst dieIugendlockcn hingen, wie oft begrüßte frühen Morgen unser Bechcrklingcn!
Ein Bericht über die Kongorcise befindet sich im Familienarchiv.