Elend des Krieges und die Verwundeten der letzten Kämpfe und eilte dann nach Zürich, Schon langehatten die speciellen Verhältnisse der Schweiz seinen regen Geist beschäftigt, er war mit den höchstenPersonen aus der Umgebung des Erzherzogs, mit ihm selbst bekannt geworden, und jo erlaubte ersich, ein Memorandum dem Letzteren zu unterbreiten über die zukünftige (Organisation der Schweiz inVerbindung mit den Interessen des kaiserl.-königl, Hofes, Dies Memorandum fand den Beifall desFürsten und es ist merkwürdig, daß sich zwischen seinen damals entwickelten Ideen und der nachherin der Schweiz wirklich eingeführten Constitution eine große Uebereinftimmung findet,
Indessen traten besondere, nicht vorhergesehene Umstände ein, welche ihn bestimmten, seineReiseroute zu äudern, und so finden wir ihn auf dem Wege nach Regensburg, nachdem er zuvor beiden verwundeten Generalen Hotze und Graf Wallis sich verabschiedet hatte, von Regensburg begaber sich uach Wieu, wo er am 22, Zum eintraf, Gr lobt die Wiener, macht interessante Bekannt-schaften und begiebt sich dann nach Prag, von Prag nach Töplitz, da ein steifer Arm, welcher sichvon einem Sturze mit dem Pferde aus dem Jahre herschrieb, eine Kur uothweudig machte.
Während der Kur vom f8. Juli bis 2ö. September begab er sich zur Erholung nach Leipzig, Ersah den Ort wieder, welcher in den akademischen Jahren ihm vor allen werth und theuer war. DochAlles war verändert, „Als Zuschauer bei einem Ball", schreibt er, „in dem nämlichen Saal, wo ichdamals so oft tanzte, bemerkte ich bald, daß ich ganz Fremdling geworden war. Alle waren sie abge-treten, nicht nur die damals gläuzteu, souderu auch sie, die aufblühten. Andere hatten ihre Stelleneingenommen, die ich nicht einmal in der Wiege sah, von den Schönheiten meiner Zeit erinnertennur sehr wenige noch als Matronen an ihre Triumphe, Die meisten waren von des Todes früherSichel gefallen."
Von Leipzig eilte er nach Gorha, dort wollte er einen altern Freund besuchen, Schlotheim,ihn in demselben Hause seheu, wo er vor f? Jahren so iuteressaute Tage mit der Münter'schen Fa-milie verlebt hatte, wo er zuerst seine nun ihm genommene Gattin sah, ein neunjähriges Mädchen,„das die schönsten Hoffnungen gab von dem, was sie einst werden sollte!" Doch der Freund war todt.Dann lernte er Goethe in Weimar kennen, Wieland zu Vsmannstädt, seiuem Sommeraufenthalte.Daun kehrte er uach Teplitz zurück, nahm noch einige Bäder und eilte, nach glücklich beendeter Kur,die übrigens sein Leiden fast völlig beseitigt hatte, so daß er nur bei ganz ungewöhnlichen Bewegungenetwas verspürte, nach Halle, von Halle nach Potsdam und von dort nach Berlin.
Nur kurz war die Zeit für letztere Stadt bemessen, aber dennoch war dieselbe gewiß reichund von neuen interessanten Bekanntschaften erfüllt. Literarische Kultur, meint er, sei in Berlin sehrausgebreitet. Er glaubt nicht, daß in irgend einer andern Stadt Deutschlands so viele Gelehrte sind,so mannigfache Kenntnisse in allen Fächern gefunden werden. Auch herrsche dort eiu Geist allgemeinerFreimüthigkeit, der dem Selbstdeukeu, der Anwendung der Wissenschaft für das bürgerliche Leben un-gemein zuträglich sei. Auch lernte er Nicolai kennen, sowie Teller. Am letzten Abend wohnte ereiner feierlichen Logenversammluncp) bei. Zöllner bekleidete den Meisterstuhl, Ich brauche, schreibter, nicht zu sagen, wie gut er redete. Voll Freude über Toleranz der Regierung sagte auch ich, un-vorbereitet, etwas über den Werth der Freiheit auch dieser Art der Mittheilung. „Rnd das ist meinwahrer Ernst: Hüllen wandeln sich, der Kern bleibt!" Die Brüder bezeugten mir einen sehr gütigenBeifall, Aber meine Aussprache muß durch meinen langen Ausenthalt in Dänemark fremd gewordensein, Zöllner sagte mir unter andern, er wundere sich, einen Ausländer so gut deutsch reden zu höreu.Aus der Loge stieg er in seinen Wagen, da er am 2, October in Kopenhagen sein wollte. UeberRatzeburg und Lübeck langte er dort an.
Nach Kopenhagen zurückgekehrt, sah sich von Eggers genöthigt, wegen des Nmfangs seinerGeschäfte seine Professur niederzulegen, da die mannigfachen Verwendungen im Staatsdienste ihn von
") Egg>.rs war Fi maurer. Nur in jenen Bünden war damals ein begeistertes Suchen nach reiner Mensch-lichkeit. Treitschke, deutsche Geschichte im t?- Jahrhundert. Bd. I, S. Zy.