Druckschrift 
2 (1887)
Entstehung
Seite
42
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ich einen alten Bekannten,*) der nüt einer Abtheilung des 77. Regiments auch die Nacht in Pangezugebracht hatte und wir freuten uns natürlich ungemein des Wiedersehens. Das Wetter hatte sichaufgeklärt, die Gegend war schön, die Wege besser als bei Courcelles. Wir begegneten Gefangenen,sahen Gräber, merkten überhaupt, daß wir uns dem Kriegsschauplätze näherten, viele unserer Leuteblieben entkräftet zurück, eine Folge der gänzlich sehlenden Verpflegung. Zch bin überzeugt, daß diegroße Mehrzahl in den verflossenen Stunden nur etwas Kaffee und kaum ein Stück Brod genossenhatte. Abends bezogen wir ein Bivouak in der Nähe eines Kartoffelfeldes und unsere ausgehungertenLeute fielen trotz des Wehklagens der beim Ausroden beschäftigten Besitzer über diesen Leckerbissen herund bald dampften die Kessel, welche wenigstens ein Abendessen versprachen, was bei der in Aussichtstehenden kalten und nassen Nacht doppelt hoch zu schätzen war. Die Nacht war höchst lästig, vorallen so kalt, daß die meisten von uns schon vor Tagesgrauen erwacht und in Bewegung waren.So ging es denn weiter; die Wege wurden immer grundloser, der Regen strömte vom Lsimmel undwir gingen in einem völligen Brei, da die Chaussee aufgehört hatte zu eristiren. Zu Avancy ange-kommen, von wo wir Metz liegen sagen, trennten sich die verschiedenen Commandos, die bis dahinunter Wahn vereinigt gewesen waren und suchten ihre Truppentheile auf dem nächsten Wege zu er-reichen. Zu tiefster Dunkelheit langten wir um 3 Rhr Abends ungefähr in: Lager des Regiments amrechten Moselufer vor Metz an, am ssj. October.**) Aber welch ein Bivouak! Die Leute lagenunter Lsütten, deren Dach und Wände von Zweigen geflochten waren, auf Stroh. Die beiden Aus-gangstbüren waren Fenster zugleich, wenn nicht ein Loch im Dache den Rauch abziehen ließ, abersomit auch dem unaufhörlichen Regen einen willkommenen Eingang gewährte. Das Stroh war naßund wurde nur von Zeit zu Zeit durch neu daraufgelegtes brauchbarer gemacht. Die Offiziere lagenin leichten, aber auch nicht wasserdichten bsolzbaracken.

Die knietief versumpften Lagerstraßen wurden durch Faschinen, immer neue über die alten ge-häuft, einigermaßen praktikabel gemacht, von all diesen: sahen wir der Dankelheit wegen nur wenig-Wir wurden auf die verschiedenen Laubhütten des 2. Bataillons***) vertheilt, in dessen Lager wir unsbefanden, und sanken bald todtmüde auf das nasse Stroh, um nach kurzer Zeit durch von Wachekommende Soldaten geweckt zu werden, die ihre Plätze besetzt fanden und kaum zu überreden waren,für eine Nacht wenigstens zu theilen. Am Morgen des 20. wurden wir an die Compagnien ver-theilt, und wurde ich hierbei der 3. Compagnie, welche damals ein Lieutenant****) Trip commandirte,da der Coinpagnieführer Premier-Lieutenant von Lüderitzff) erkrankt war, überwiesen. Zetzt am Tagebot fich uns erfl der volle Anblick der ganzen Situation. Sämmtliche Soldaten waren bis über dasKnie hinauf mit einer gelben Lehmkruste bedeckt. An Reinigen dachte niemand. Es wäre auch unnützgewesen, da in kurzer Zeit der alte Nebelstand wiederkehrte. Die Gewehre, die Fahnen, standen imtiefeit Dreck, rostig und naß in langen Pyramidenreihen. Das Wasser zum Waschen war gelb undmußte zum Kochen erst filtrirt werden, wurde fedoch meistens mit der angestammten Couleur verbraucht.Die bsütten, undicht und dumpfig, boten eine sehr primitive Unterkunft dar; die Mannschaft lag aufdem feuchten Stroh eng an einander, was der Wärme wegen ja recht angenehm war, für den An-fang nur einige Beschwerden veranlaßte. Die einzige Decke war der Mantel, auch hier, nach deinalten Soldatenlieds, wieder der beste Freund, Wärme spendend und Nässe abhaltend, soweit in seinen

-) Wilhelm Oetje, Sehn eines Hofbesitzers ans tNeincrscn, Iugendgespiele, später Lehrer in der Provinz

Hannover.

Das Regiment, welches zum X. Corps, zur 20. Division und 40. Brigade gehörte, lag seit dem Gct.am rechten illoselufer im Bivouak, hiuter dem Dorf Charly, während die Brigade von Charly bis Glgy lagerte.

Dasselbe commandirte der Bbcrstlieutenant Blume. Lebt jetzt als Generalmajor z. D. in Bielefeld.^ zss-z nach langen Leiden als Hauptmann und Compagnie-Chef im Infanterie-Regiment,

tz) v. L. war znletzt Panptmann nnd Compagnie-Chef im Iuf.-Rcgiment Nr. ;28 zu Dauzig, lebt jetzt alstNajor a. D. in tNeiuingcn, unheilbar erkrankt.