Druckschrift 
1 (1879)
Entstehung
Seite
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Die Benennung Patrizier jedoch ist in Hamdurg nie beliebt. Im Gcgentheil, einegroße Ausschließlichkcit gegen Alles, was Adel hieß, hielt Letztem nicht allein fern von jederStellung in der Stadt, sondern verbot sogar dem Ritter das Wohnen*) in Hamburg noch im13. Jahrhundert.

Spater finden sich hie und da auch Mitglieder des Landadels**) in der Stadt,vereinzelt auch in den städtischen Chrcnstellcn, doch ohne Bedeutung ihres Namens. StctS hatin Hamburg bei Besetzung des Raths und anderer angesehener Posten nur Alter und Anscheueiner Familie, als einer speciell Hamburger entschieden. Es ist eine Eigcnthümlichkcit derVerhältnisse, daß unter den alten Familien so wenige adlige Namen, wenigstens während derBlüthc in der Stadt gefunden werden. Die Bürger strebten nicht nach einer Eigenschaft, diein ihrem Vatcrlandc ohne Werth, für ihr Ansehn, ihren Einfluß und ihr Fortkommen ohneNutzen war. Man sprach von den freien und crbgescsscncn Bürgern mit dem allgemeinen Aus-druckdie Gemeinheit der Bürger" (nnivemilas civinm), von Nathsmannen, Oberalten,Kirchgeschworcncn, Domherren :c. alsHerrn" (Domini)***), man unterschied in der Gesammt-bttrgcrschaft Nathsgcschlechtcr (NathSvcrwandte) und pflegte oft von den einzelnen Bürgernangesehenen Standes alsguten Leuten" zu reden.

Den Kanslcntcn folgen die Handwerker. Diese waren die ältesten st) Einwohner derStadt, außer den Mönchen, wie die Namen ihrer ältesten Gassen bezeugen. 1195 wird zuerstder Pfarrkirche von Hamburg, der St. Petrikirchc gedacht. Und dort, wo als Zeichen altsüchsischerGerichtsbarkeit, als Symbol der Freiheit, ans der Dingstättc der Roland stand, dort, neben denfreien Männern, bildeten sich rund umher die Gassen jener nach Hofrccht Lebenden. Sicerwarben im Laufe der Zeiten gewisse Freiheiten, haben überhaupt in der Stadt nie überBedrückungen zu klagen gehabt. Nach und nach entstanden so Zünfte, Gilden, Innungen undsogenannte Acmtcr. Diese wiederum suchten zu Vorstehern und Schiedsrichtern ihrer Streitig-keiten, zu ihrem Patron einen NathSherrn und wurden so Vasallen eines Vornehmern.

Doch haben nicht allein die Handwerker sich zu solchen Innungen und Acmtcrn ver-einigt, auch andere Klassen von Menschen haben i» Hamburg diese Methode, den Bestand ihresCorpus sicher zu stellen nachgeahmt. Selbst viele derer, die vom Verkaufe leben, haben sich inAcmtcr und Brüderschaften zusammengestellt. Obenan stehen die Krämer, bei deren Gewerbe inHamburg jeder, der darnach trachtete, ein Krämer zu sein, als Lehrbnrsche und Gesell von untenans dienen mußte. Vor allem aber ist Kaufmann und Krämer nicht zu verwechseln; währendunter crsterm der Großkanfmann mit überseeischen Handelsverbindungen, Waarenlagcrn :c. gemeintist, war Letzterer nur der Besitzer eines Ladens, der Wiedcrverkäufcr des Erstem.sich)

Als dritten Stand hatte die Stadt die Schutzbefohlenen (eingewanderte Fremde, dieim Clientelvcrhältniß zu einem Erbgcscsscnen standen) und die Hörigen, Diener, Nichtccht-gcborcne, ohne Besitz in Hamburg Lebende.

So beschaffen war der Boden, so die Verhältnisse und das Volk, denen wir entstammen.Eine der ältesten und angeschensten Familien des alten Hamburg dürfen dieCggers" sich

'2) ,,it ne schal ncn riddere woncn byniieil desseme wycbelde." Hamb. Stadtrccht von 1270. I.

si't. 4.

und da wurden Bürger durch Verleihung des Adels geehrt, so z. B. der Bürgermeister Iw. H.Salsborg bei der Krönung Friedrichs I. von Dänemark 1528 zum Ritter geschlagen. Gallvis, 017.S55) ZMschnst des Vereins für Hamb. Geschichte I. 152.

1) die Acltestcn, insofern die Kauflcntc erst hervorgingen aus den freien Ackerbauern,ff) von Heß, Hamburg rc.