Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
337
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Da der Uebergang der Infanterie über den Fluss grossen Zeitverlust verursachte,und Wellington fürchtete, dass der Feind einen zu grossen Vorsprung gewinnenkönnte, so gab er um 8 Uhr den beiden Cavallerie-Brigaden Befehl zum Aufbruch.Die Strasse, welche die vereinigte Cavallerie einzuschlagen hatte, war so eng, dass sienur für 3 Mann Raum gewährte und dabei rauh und steinig; es verfloss daher, obgleichfast nur Trab geritten wurde, beinahe eine Stunde, ehe die Brigade Anson, welche dieTete hatte, die steinige Ebene jenseits des Deiilees erreichte. In der Nähe des DorfesGarzia Hernandez erblickte man den Feind in sehr vortheilhafter Position. 4 bisG Schwadronen standen in Linie aufmarschirt; einige Bataillone Infanterie hielten die vor-und rechts liegenden Höhen besetzt. ') Da die englische Brigade in Folge der Terrain-gestaltung anfangs nur die französische Cavallerie wahrnehmen konnte, so erhielt Ansonvon Wellington Befehl, diese in der linken Flanke anzugreifen. Die schwere Brigadevon Bock, welche die feindliche Cavallerie in der Front angreifen und von ihrerRückzugslinie abdrängen sollte, musste beim Debouchiren aus dem engen Defilee erstLinie formiren. Das 1. schwere Dragoner-Regiment bildete zu dem Zweck zunächstEchelons von Schwadronen und suchte, ohne Halt zu machen, in das Alignement deran der Tete befindlichen 1. Schwadron (Rittmeister IL von Hattorf) zu gelangen, alsdiese, ohne das Anschliessen der übrigen Schwadronen zu erwarten, auf die französischeCavallerie losstürmte, welche sich jedoch, ohne den Angriff abzuwarten, zur Fluchtwandte. Da bei der Verfolgung die 1. Schwadron in das Feuer der feindlichen Infanterieauf der Anhöhe gerieth, so wurde die Verfolgung aufgegeben.

Während nun die beiden anderen Schwadronen des 1. Dragoner-Regiments enechelon vorrückten, sah sich die dritte oder linke Schwadron unter dem RittmeisterGustav von der Decken ebenfalls von feindlichem Infanterie-Feuer bedroht, und zwar voneinem am Abhänge der Anhöhe stehenden Bataillon des 76. französischen Linien-Regiments.Die Unmöglichkeit einsehend, unter diesen Umständen den Angriff auf die Cavallerieauszuführen, fasste v. d. Decken den kühnen Entschluss, das seiner Meinung nach imQuarree stehende Bataillon selbst anzugreifen. 2 ) Er liess sofort im Galopp linksschwenken und warf sich auf die nächste Spitze desselben. Auf 100 Schritt erhielt dieSchwadron das erste Feuer von 2 Gliedern. Der brave Rittmeister erhielt einen tödtlichenSchuss in's Knie und stürzte, der Lieutenant von Voss und mehrere Leute und Pferdefanden ihr en Tod. Ohne Weiteres sprengte der Rittmeister von Uslar, welcher alsZweiter im Commando den linken Trupp (Compagnie) der Schwadron befehligte, vordie Front, ermuthigte die Reiter durch sein Beispiel und einige begeisternde AVorte undführte dieselben unter einer zweiten auf 50 Schritt von zwei anderen Gliedern abgegebenenSalve gegen die Bajonette der Feinde. Begünstigt durch den Umstand, dass einzufälliger Schuss aus dem Bataillon das Pferd des Dragoners Post tödtlich verwundeteund dieses, sich auf die Bajonette stürzend, der Schwadron eine Lücke machte, brachendie tapferen Reiter in das Bataillon ein und hieben dasselbe theils nieder, theils nahmensie es gefangen.

Angefeuert durch den glücklichen Erfolg der 3. Schwadron wandte sich nun auchdie 2. Schwadron unter dem Rittmeister von Reitzenstein gegen die feindliche Infanterieund griff das auf der Anhöhe schon befindliche, aber noch im Marsche begriffene6. leichte Regiment mit Ungestüm an. Von einem mörderischen Feuer der aus denGarabiniers und der 1. Compagnie des 1. Bataillons bestehenden Queue-Division diesesRegiments empfangen, wurden 2 Officiere und eine Menge Leute und Pferde getödtetund verwundet. Dennoch gelang der Angriff vollständig und der grösste Theil desRegiments wurde niedergehauen und gefangen.

Aus den Wenigen, welche der Vernichtung entgangen waren, bildete sich auf derHöhe noch eine Art Quarree, welchem auch etwas Cavallerie zur Unterstützung herbeieilte. Gegen diesen neuen Gegner setzte sich der Rittmeister von Marschalck mit der3. Schwadron des inzwischen formirten 2. Dragoner - Regiments, unterstützt von derlinken Compagnie (Trupp) der 2. Schwadron unter dem Lieutenant von Fumetti inBewegung, schlug zuerst die feindliche Cavallerie in die Flucht und sprengte dieInfanterie völlig.

1) Die Angabe bei Beamish, 1. c. u. a. O., dass die Intervallen der französischen Bataillone mit(6) Geschützen ausgefüllt waren, ist falsch. (L. v. S[ichart], Garzia Hernandez, eine Jubelschrift auf dasJahr 1862, S. 6.) 2 ) Gegenüber der allgemeinen Annahme, dass das feindliche Bataillon schon Quarreeformirt hatte, weist L. v. S(ichart), 1. c. nach, dass es höchst wahrscheinlich noch in Colonne stand.

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