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Am 17. August 1807 errichtete der französische Gewalthaber aus den erobertenLändern das Königreich Westfalen, und des Kaisers Bruder Jerome wurde zum Königedes neuen Reiches ernannt. Von dem Wunsche beseelt, sich den Adel seines Königreichsgeneigt zu machen, begnadigte er den zum Tode verurtheilten und für vogelfrei erklärtenHauptmann von Uslar, der nun aus Appenrode zurückkehrte, und sogleich als Hauptmannund Führer der Grenadier-(ersten) Compagnie in das 4. westfälische Linien-Regimenteintrat. In dieser Eigenschaft marschirte er im Februar 1809 mit nach Spanien, wohntedort der Belagerung von Gerona bei, und wurde am 14. Novbr. 1810 für die dabeibewiesene Tapferkeit durch Verleihung des Ritterordens der westfälischen Krone aus-gezeichnet. >) Während dieses Feldzuges ereignete sich der merkwürdige Fall, dassThilo Ludwig einst, als er mit seiner Compagnie auf Vorposten war, seinen BruderDetlev, welcher als Lieutenant der Kgl. deutschen Legion ihm gegenüber stand, überfiel.
Am 1. Juli 1810 nach Cassel zurückgekehrt, kam sein Regiment, nachdem dessenNeuformation in Münden beendet war, am 3. October nach Magdeburg in Garnison. 2 )Erst im Spätherbst 1812 ging Thilo Ludwig mit dem der Düna-Armee zugetheiltenRegimente über den Niemen. Er machte von da an den russischen Feldzug mit, wurdeam Ende desselben an der Beresina gefangen genommen und trat dann als Capitain indie neu formirte Kaiserlich russisch-deutsche Legion über. 3 )
Dieses ausgezeichnete Corps, dessen Organisation nach dem Vorbilde der Kgl.deutschen Legion bereits im Juni 1812, vornehmlich unter Leitung preussischer Officiere,zuerst in Petersburg, später in Finnland, begonnen war, stand unter besonderer Protectiondes Kaisers Alexander I. von Russland, welcher der Legion in der Person des vertriebenenHerzogs Peter I. von Oldenburg ihren ersten Chef gab. Sie rekrutirte vorzugsweiseaus den unter französischer Fahne kämpfenden Deutschen, welche als Gefangene oderDeserteure sich derselben anschlössen. Den Oberbefehl führte Kaiser Alexander I.,während England für den Sold, Ausrüstung und Unterhaltung sorgte. 4 )
Als Napoleon zu Anfang des Jahres 1813 den Niemen passirt hatte, marschirtedie durch den Typhus furchtbar deeimirte Legion unter dem zum Commandirendenernannten vormals olclenburgischen Oberst von Arentsschildt, etwa 1200 Mann stark,von Finnland aus über Petersburg nach Königsberg in Preussen, woselbst sie im Mai1813 eintraf. Hier wurde, nachdem in Mitau bereits ein 3. Infanterie-Bataillon errichtetwar, die Organisation auch des 4. und 5. Bataillons (letzteres aus den in Russland inden Depots und Lazarethen zurückgebliebenen Leuten gebildet) vollendet. Unter denvielen vormals hessischen und preussischen Officieren, welche in Königsberg in dieLegion eintraten, muss sich auch Thilo Ludwig von Uslar befunden haben, da ihnvon Quistorp in seinem vorbezeichneten Werke S. 176 und 308 als eingetreten am19. Mai 1813 und als Hauptmann der 1. Compagnie des 5. Bataillons aufführt.
Alsbald marschirte das Gros der Legion von Königsberg über Berlin nach Meck-lenburg, um zu dem Corps ihres neuen Chefs, des General-Lieutenants Grafen von Wall-moden-Gimborn zu stossen, welcher mit seinem (unter Hinzurechnung von 10000 Mannder russisch - deutschen Legion) etwa 21000 Mann starken Armeecorps einen Theil derunter dem Kronprinzen von Schweden stehenden Nordarmee ausmachte. Auf demMarsche dahin wurden die bei Lüneburg am 2. April vom General von Dörnberggefangenen Sachsen (vom Regiment Prinz Maximilian) für die Legion als 6. Bataillongewonnen. Ein 7. Bataillon wurde in Schlesien formirt. 5 )
Das 5. Bataillon, welches am 16. Juli von Königsberg zu Schiff nach der InselRügen abging, um sich über Stralsund mit der Legion in Mecklenburg zu vereinigen,traf am 1. August bei derselben ein.
Mit dem Ablauf des Waffenstillstandes (16. August) begannen die Operationendes General - Lieutenants von Wallmoden gegen den in Hamburg stehenden Marschall
') Staatshandbuch für das Kgr. Westfalen v. J. 1811. — 2 ) Nach dem Berichte eines Zeitgenossenwurden 4 französische Officiere, welche ehrenrührige Aeusserungen über deutsche Officiere gemacht hatten,nach einander von Thilo Ludwig im Duell auf dem Glacis zu Magdeburg zusammengehauen. — 3) NachAufzeichnungen im Familien-Archive und: v. Ditfurth, die Hessen in den Feldzügen von 1793, 94, 95 inFlandern; v. Hohenhausen, Biographie des General-Majors von Ochs. Das Folgende nach: von Quistorp,die Kais. Russisch-Deutsche Legion, S. 17(1 u. ff.; S. 308; Allgemeiner Militair-Almanach, 1. Jahrg.(Darmstadt 1828), III, S. 3 u. IT. — 4) Dirigirender englischer Commissair war der Oberst Sir HudsonLowe, der spätere Wächter Napoleons auf St. Helena, (v. Quistorp, 1. c., S. 49.) — 3) p; e 7 Bataillonezählten 5600 Köpfe; ausserdem hatte die Legion 200 Jäger, 800 Mann Artillerie, 1200 Mann Gavallerie in2 Husaren-Regimentern. Der Rest bis zu 10 000 Mann waren Ersatztruppen.