Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
281
Einzelbild herunterladen
 

281

Brandenburg, und zeichnete sich überall aus. 1 ) Den 7. September 1631 in der Schlachtbei Leipzig (Breitenfeld) gehörte er neben seinem Bruder Thilo Albrecht mit 5 Coin-pagnien Reiter des Leib-Regiments zur Reserve der in zwei Treffen formirten schwedischenSchlachtordnung. 2 ) Nach der Specht'schen Chronik nahm er in dieser Schlacht denLigisten mehrere Fahnen ab, wofür der König ihn schon in Halle zum Oberst beförderte.

Verstärkt durch die Truppen des Herzogs Wilhelm von Weimar und des KurfürstenJohann Georg I. von Sachsen marschirte nun von Halle aus die etwa 30 000 Mannstarke Armee des Königs nach Franken. Nachdem im raschen Siegeslaufe Würzburgund das Schloss Marienberg erobert war (15. bis 18. October 1631), wandte sich GustavAdolf nach dem Rheine, um die spanischen Truppen, welche das Land des vertriebenenPfalzgrafen verwüsteten, zu schlagen und sich die Rheinübergänge frei zu halten. Dajedoch Tillv, der nach seiner Niederlage bei Leipzig in Norddeutschland frische Kräftesammelte, von da her ein gefährlicher Gegner zu werden drohte, so liess der König zurSicherung Frankens seinen General Horn mit 16 000 Mann zurück, dem zugleich dieAufgabe zufiel, die über ganz Franken und Schwaben zerstreuten zahlreichen kleinerenund grösseren kaiserlichen Besatzungen aufzuheben und die Orte zu besetzen. Demgemässerhielt der Oberst von Uslar den Auftrag, die kaiserlichen und ligistischen Besatzungenaus der Gegend um Rothenburg a. d. Tauber zu verjagen. Es gelang ihm auch, am17. October mit 13 Compagnien schwedischer Reiter den kaiserlichen CommissairAlessandro Massonj, welcher sich mit 5 CompagnienPressreiter" nebst dem Fussvolkevon Fürth aus im Rothenburgischen Gebiete einquartiert hatte, zu überfallen, zu schlagenund zu zerstreuen. 3 ) Die in Rothenburg gelegenen kaiserlichen Offlciere brachten dieStadt in den Ruf, sie habe jenen Pressreitern die Aufnahme innerhalb ihrer Mauernverweigert und ihren Untergang hierdurch bereitet.

Nach diesem glücklichen Erfolge wurde die Stadt Rothenburg im Namen desKönigs von Schweden durch einen Trompeter angeblasen, mit dem Begehren, daskaiserliche Volk herauszuschaffen und dagegen schwedisches aufzunehmen. Uslar begleitetediese Aufforderung mit der scharfen Drohung, dass, wenn binnen einer halben Stundekeine kategorische bejahende Antwort erfolge, er die Stadt, des Königs Befehl gemäss,mit aller Macht angreifen, niemand schonen und mit Rothenburg zur Vergeltung wiemit Magdeburg verfahren würde. Der Rath meldete diese Werbung sogleich demkaiserlichen Commissair Massonj und dem in Rothenburg commandirenden HauptmannZilla. Diese befahlen dem Rathe, mit den schwedischen Abgeordneten jede Unterhandlungabzulehnen, sondern ihnen die ' Disposition zu überlassen, da ihnen dieser Postenanvertraut sei. Zilla gab aber bald zu verstehen, er sei zu schwach, diesen Ort gegengrosse Gewalt zu vertheidigen, weil er zu weitläufig sei. Zilla rechnete aber auch aufkeine Hülfe und wollte vom Rathe wissen, wie man mit Munition und Proviant versehen,ob er auf die Bürgerschaft sich verlassen, besonders aber, ob sie mitfechten würde?Der Rath erwiderte dem Hauptmann, er denke nicht daran, von den dem Kaiser undReiche schuldigen Pflichten sich zu entfernen, sondern sei entschlossen, in kaiserlicherDevotion zu bleiben. Uebrigens sei nur noch für den folgenden Tag Mehl zumCommisbrode da. Stadt und Gebiet seien durch die Fürstenbergische Armada 4 ) unddie zugleich mit einquartierten drei Compagnien vom Waldstein'schen Regiment nebstdessen Stab ganz ausgezehrt und von allem Vorrath entblösst. Mit Munition und anderenKriegsmitteln sei die Stadt gar schlecht versehen, weil sie gar viel den kaiserlichenCommissairen gegeben und aus Mangel an Geld nichts zu ersetzen im Stande gewesen.Die Bürgerschaft sei auch seit einigen Wochen entwaffnet; er, der Rath, überlasse daherdie Entscheidung dem Gommandanten als Sachverständigen, empfehle ihm aber bestensStadt und Landwehr.

Nach solcher Erklärung entschloss sich der kaiserliche Hauptmann zur Uebergabegegen freien Abzug mit Sack und Pack, erklärte dies auch den schwedischen Abgesandten.Rothenburg bat um Verschonung mit Garnison und erklärte seinen Gehorsam gegenKaiser und Reich. Zilla empfahl den Rolhenburgischen Deputirten, sie möchten sichzur Reinigung vom Verdachte bei dem kaiserlichen Commissair Massonj auf ihn berufen,

1) Vgl. seine, an seinen Bruder ertheilte Vollmacht in Reg. 1039; auch Reg. 1029. 2 ) Hess,

Gottfried Heinrich, Graf zu Pappenheim, S. 151; Theatr. Europ., II, S. 433. 3 ) v. Soden, Gustav Adolf

und sein Heer in Süddeutschland. I, S. 45 u. ff.; II, S. 255; Klein, Rothenburg ob der Tauber, S. 155.

4 ) Graf Egon von Fürstenberg war mit seiner Armee am 26. Juli 1631 in Rothenburg eingerückt, aberschon nach 2 Tagen zur Verstärkung Tilly's nach Norddeutschland wieder abmarschirt. (Klein, 1. c., S. 155.)

36