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Am 7. Juni desselben Jahres rückte der kaiserliche Graf Philipp von Fürstenbergvon der Armee Tilly's vor Göttingen und bedrohte die Stadt mit demselben Schicksale,welches Münden soeben erfahren, falls sie sich der Besetzung mit kaiserlichen Truppenwidersetzen sollte. Dennoch lehnte der Rath diese Zumuthung ab. 1 )
Die Garnison Göttingens war erst an demselben Tage gewechselt; die jungenund unvollständig bewaffneten Trappen unter dem Grafen Philipp Reinhard von Solmshatten die Stadt verlassen und dafür 5 gemusterte Compagnien zu Fuss und die vor-genannten 120 Reiter (4 Cornet) des Rittmeisters v. U. unter dem Oberbefehle desdänischen Capitain - Majors David Tönnies die Vertheidigung derselben übernommen. 2 )Ausserdem hatte der Rath noch 300, auf seine Kosten Geworbene, unter den Befehldes Hauptmanns Burchard von Linsingen gestellt.
Unter von Zeit zu Zeit erneuten und gern geglaubten Versprechen des KönigsChristian IV. von Dänemark, die Stadt baldigst entsetzen zu wollen, vertheidigten sichRath, Bürger, Soldaten und die zahlreich aus der Umgegend in die Stadt geflüchtetenBauern tapfer. Bei einem am 25. Juni mit 500 Bürgern und Soldaten, sowie mit derganzen Reiterei unternommenen Ausfalle wurden mehrere Schanzen zerstört und guteBeute gemacht, dem Rittmeister v. U. aber ein Pferd lahm geschossen. Am 29. Juniübernahm der bis dahin krank in Münden gebliebene Tilly selbst an Stelle des GrafenPhilipp von Fürstenberg die Leitung der Belagerung, die nun mit steigender Energiebetrieben wurde. Dennoch harrte Bürgerschaft und Besatzung trotz Pest, drohenderHungersnoth und Mangel an Munition muthig aus. Am 15. Juli, als Tilly nochmalszur Uebergabe aulforderte, scheint freilich grosse Muthlosigkeit sich der Bürger be-mächtigt zu haben, wie das Schreiben der Führer an den Rath von demselben Tage(Reg. 1035) ausweist; trotzdem wurde der kaiserliche Feldherr abschläglich beschieden.Als jedoch König Christian IV. unterm 23. Juli der Stadt wissen liess, dass erst in8—10 Tagen auf Entsatz zu hoffen sei, erklärte der Commandant am 31. Juli, ausMangel an Pulver 3 ) die Stadt nicht ferner vertheidigen zu können. Demgemäss wurdediese am 1. August dem Feinde übergeben. 4 ) Durch ihre männliche Vertheidigunghatten der Major Tönnies und der Rittmeister v. U. eine ehrenvolle Capitulationfür sich und ihre Söldner erzwungen, die ihnen gestattete, am folgenden Tage mit Sackund Pack, fliegenden Fahnen, brennenden Lunten und offenem Spiel abzuziehen, vonden Kaiserlichen bis Einbeck geleitet. Zugleich besetzten 5 Compagnien die Stadt undTilly selbst hielt den Tag darauf seinen Einzug.
König Christian IV. war durch Wallenstein bei Wolfenbüttel festgehalten undhatte erst am 25. Juli seine Armee gegen Göttingen in Bewegung setzen können. Alser unterwegs den Fall dieser Stadt erfuhr, wandte er sich gegen die von ligistischerCavallerie eingeschlossene Stadt Northeim, jagte die Reiterei nach Göttingen zurück, undnahm dann die Richtung seines Marsches wieder auf Wolfenbüttel. Tilly's Armee wurdeam 12. August durch Wallenstein'sche Regimenter bei Göttingen verstärkt. Letzterelagerten bis zum folgenden Tage zwischen Klein-Lengden und den Gleichen, 5 ) Tilly mitder Cavallerie und einem Theile der Infanterie bei Wöllmarshausen. Am 13. Augustbegann die Verfolgung des retirirenden Königs, der, bei Lutter a. B. zur Schlacht ge-zwungen, hier am 17./27. August 1626 völlig geschlagen wurde.
Friedrich Moritz von Uslar, der in dieser unglücklichen Schlacht tapfer gefochten hatte,folgte darauf dem Könige nach Dänemark als dessen Obrist-Wachtmeister des RheingräflichenRegiments. 6 ) Nach dem zwischen dem Könige und dem Kaiser zu Lübeck geschlossenenFrieden (1629) trat er in den Dienst des Königs Gustav Adolf von Schweden als Oberst-lieutenant seines Leibregiments zu Pferde, focht bei Marienburg gegen die polnischeArmee (27. Juni) und deckte den Rückzug des Königs. 1630, nach dem Waffen-stillstände mit Polen, ging er mit dem Könige nach Deutschland zu Hülfe der Evangelischen,focht auf der Insel Rügen, bei Frankfurt, in Pommern, Mecklenburg und der Mark
1) Archiv des hist. V. f. Nieders., N. F., 1848, S. 105 u. ff., 115; Zeit- u. Gesch.-Beschreib, vonGüttingen, I, S. 181; Lichtenstein, Schlacht b. Lutter a. Barenberge, S. 114; Billerbeck, Gesch. vonGöttingen, S. 303; Havemann, 1. c. (v. J. 1853/57), II, S. 653. — 2 ) Opel, der niedersächsisch - dänischeKrieg, II, S. 541. — 3 ) Bei Plünderung der Stadt, welche dem Vertrage zuwider von den Siegern nichtunterdrückt wurde, fanden sich im Verschlusse des Raths noch 20i/ 2 Gtr. und bei den Bürgern nochG'/ 2 Otr. Pulver, welches verheimlicht war. (Das cit. Archiv v. J. 1848, S. 115.) — 4 ) Zeitschr. d. hist.V. f. Nieders., 1873, S. 140. — 5 ) Lichtenstein, 1. c., S. 128. — 6 ) Specht, Stammbuch etc., Cap. XVIII;Leichenpredigt cit.