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bei dem General von Uslar, welcher wiederholt die Auslieferung des Original-Vertragesverweigerte. Uebcr dessen Inhalt waren in der Bevölkerung die verschiedensten Ge-rüchte verbreitet, so dass die Räthe dem Herzog riethen, ihn durch den Druck bekanntzu machen. Es wurde ihnen erwidert, der Accord sei bereits der Frankfurter Zeitungeinverleibt und Uslar zur Aushändigung angewiesen.
Des Herzogs Freude über den von seinen Truppen erfochtenen Sieg war ohneGrenzen. Voll Dank gegen Gott meldet er den Fürsten von Sachsen, Brandenburg,Hessen und den übrigen protestantischen Verbündeten am 22. Juli den glücklichen Aus-gang der Belagerung, den Abschluss des Vertrages vom 12., den Abzug der Garnisonund den Einzug der Seinigen, die Erbeutung einer ziemlichen Anzahl von Geschützen,wenig Munition, aber eines ziemlichen Vorraths an Korn, meistentheils in Privathänden.
Allein der Herzog sollte den Einzug in die wiedergewonnene Bischofsstadt nichterleben; er schied am 11. August 1634 nach langen, bitteren Seelenleiden, von denheftigsten Körperschmerzen in Folge eines doppelten Schenkelbruches gequält, auf demgrauen Hofe in Braunschweig aus dem Leben, als letzter Mannesspross des mittlerenHauses Braunschweig.
Noch in dem letzten, von ihm eigenhändig an den tierzog von Celle geschriebenenBriefe hatte er die Hoffnung der baldigen Wiedereroberung seiner Residenz Wolfen-büttel geäussert; „er habe" — so schreibt er — „dem General-Major von Uslar denBefehl ertheilt, so bald als möglich dorthin aufzubrechen," und in dem erwähntenSchreiben an die protestantischen Verbündeten vom 22. Juli sagt der Herzog, „er habenun mit der Blockirung der Feste Wolfenbüttel den Anfang gemacht und hoffe mitGottes Hülfe in diese seine Residenz zurückzukehren." ')
Friedrich Ulrich's nachgelassene Länder wurden gemäss der zu Meinersen am5. September 1634 getroffenen Vereinbarung von den Agnaten im Namen sämmtlicherbraunschweig - lüneburger Fürsten in Besitz genommen und wie bisher verwaltet. Auchwurden die Truppen als im Dienste des Gesammthauses stehend angesehen und ver-pflichtet.
Herzog Georg hatte diesen Beschluss hinsichtlich der Truppen in Ausführung zubringen und begab sich dazu zu dem Corps Uslar's, das grösstentheils vor Wolfenbüttelstand. Er ernannte hierbei den General-Major von Uslar zum General - Lieutenant undzum Chef seines Leib-Cavallerie-Regiments, veranlasste auch, dass ihm in beider Eigen-schaft ein schwedisches Patent ertheilt wurde. 2 )
Danach schritt Herzog Georg zur Belagerung von Minden, zu welcher er dieTruppen des Obersten Anderson von Trana aus Hameln und einen Theil des wolfen-büttelschen Corps unter dem General-Lieutenant v. U. an sich heranzog. 3 ) Letzterercommandirte von den vier Lägern, welche die Festung einschlössen, das zweite Lagervor dem Kuh - Thore. 4 )
Wie nun der Herzog Georg die Verdienste seines General - Lieutenants v. U. zuschätzen wusste, so war er auch bedacht, sie fürstlich zu belohnen. Er schenkte ihmim Feldlager vor Minden am 26. August 1634 ein Haus und Hof in Hildesheim,welches zuvor dem Dompropst Ehrn. Buchholz gehört hatte. (Reg. 1045.)
Nicht lange darauf übergab der Herzog ihm eine sehr werthvolle goldene Kette,reich mit Diamanten, Rubinen und Perlen besetzt, welche Uslar seiner Tochter CatharinaMagdalena übersandte, die sie später ihrer Tante Anna Elisabeth, der Gemahlin desObersten Ludwig von der Asseburg auf deren Wunsch leihweise überliess. 5 )
Endlich, am 4. October desselben Jahres, bestätigte der Herzog den bei der Ueber-nahrne Thilo Albrecht's v. U. aus dem hessischen in den wolfenbüttelschen Dienst im
') Unterhaltungsblatt cit. Nr. 81; v. d. Decken, 1. c., II, S. 230; Archiv d. hist. V. f. Nieders.,1848, S. 168. — 2) v, d. Decken, 1. c., II, S. 237. — 3) v . Sichart, 1. c., I, S. 103 u. ff. — 4) Theatr.Europ., III, S. 359; Köhler, 1. c., VIII, S. 389. — 5 ) Im J. 1642 reclamirten die Vormünder der KinderThilo Albrecht's v. U. laut Notariats-Protokoll vom 27. Mai d. J. (im Familien-Lehns-Archive) die Kette,wobei es sich herausstellte, dass die genannte Frau v. d. Asseburg dieselbe verkauft und dafür eineandere im Werthe von etwa 50 — 60 Thlrn. substituirt hatte. Auf Antrag der Vormundschaft erklärt derGastwirth in Göttingen, Georg von Bon, welcher die Kette kannte, zu Protokoll, dass er den Werth der-selben auf 500 bis 600 Thlr. schätze und bemerkt dabei, sie sei so lang gewesen, dass er sie über dierechte Schulter und unter den linken Arm hindurch habe hängen können. Ein um das andere Glied seientweder mit vier Rubinen, in deren Mitte ein Diamant, oder mit vier Diamanten, in deren Mitte einRubin, besetzt gewesen; ausserdem hätten sich noch Perlen von der Grösse einer Erbse darauf befunden.