— 276 —
Vier Tage später berichtet U. noch glänzendere Resultate. „Es seien," so sagter am 14. Juli, ] ) „13 Standarten erbeutet, von allem Volke des Feindes seien bei500 Pferde und 3 Soldaten zu Fuss entkommen, das Andere von den 4000 Mann istAlles niedergehauen und über 600 gefangen."
Dem General wurde die volle Anerkennung seines Landesherrn zu Theil, welcherdas Ereigniss durch ein Dankfest in allen Kirchen von Braunschweig begehen _ liess.Doch der höchste Siegespreis folgte am 12. Juli, indem der Feind, welcher durch in dieStadt gesandte Gefangene den Ausgang des Gefechts erfahren hatte, erklärte, capitulirenzu wollen. An demselben Tage wurde der Vertrag über die Uebergabe von Uslareinerseits und dem Oberstlieutenant Charles Rouland Freiherrn Suys de Grysort ander-seits unterzeichnet. Danach sollte am 17., falls der Trompeter, welcher die nach Mindenzu stellenden Geiseln begleitete, von dort zurückgekehrt sei, die Garnison die Stadträumen ohne jede Beschädigung der Stadt und der Bürgerschaft; die Lage der Minenwar dem General anzuzeigen, welcher vor dem Abzug der Garnison das Ravelin vordem Osterthore mit 100 Mann besetzen wird. Die Garnison zieht unter Bedeckung vonReiterei nach Münster ab und wird zwischen Rinteln und Hameln über die Weser ge-setzt. Bis zur sichern Ankunft der Garnison in Münster werden von beiden Seiten einRittmeister und ein Capitain in Minden resp. in Hildesheim als Geiseln gestellt. InBezug auf den entscheidenden Punkt wegen des Clerus blieb es bei dem früheren Ent-würfe, jedoch wurde ausdrücklich den Jesuiten der Verbleib in der Stadt untersagt.Was die Ausübung der katholischen Religion anlangt, ferner die Einräumung einer Kircheund den Unterhalt der katholischen Geistlichkeit, so wird sich Uslar bei Herzog FriedrichUlrich für ein dahingehendes Gesuch des Clerus verwenden. Gegen jeden Angriff seitensevangelischer Truppen auf dem Marsche erhielten die Abziehenden Sicherheit. AmSchlüsse findet sich der Passus, dass alle Wechselschriften und besonders die unter desRathes und der Stadt Namen und Siegel aus Kriegslist gebrauchten Briefe Niemand undnamentlich dem Rathe nicht schaden sollen. 2 )
Wegen der grossen Zahl der bei Sarstedt gefangenen Kaiserlichen sandte derGeneral - Major v. U. viele derselben, welche in Hannover nicht untergebracht werdenkonnten, nach Göttingen. Er bat den dortigen Rath unterm 12. Juli 1634, die gemeinenReuter und Knechte in den Kellerräumen unter dem Rathhause, die Officiere in derKohlenkammer daselbst zu verwahren und die Bewachung dem Hauptmann Grebernanzuvertrauen. Allein trotz der empfohlenen Wachsamkeit gelang es der grösseren Zahlder Gefangenen zu entschlüpfen, worüber der Herzog Georg, 3 ) der sich ihrer demnächstbehufs einer Auswechselung bedienen oder durch ihre Freilassung ein erhebliches Löse-geld gewinnen wollte, in seinem gerechten Unwillen unterm 22. October von Mindenaus dem Rath droht, wegen dieses Schadens demnächst Rechenschaft fordern zuwollen. 4 )
Am 14. Juli wurde die Inventirung der Geschütze, Munition und Proviant vor-genommen und machte das rothe Regiment Quartiere in der Stadt, während das weisse,das Herberstein'sche und Mützephal'sche Regiment unruhig auf ihre Entlassung in dieQuartiere drangen. Von Pierzog Georg vernahm man, dass der schnelle Abschluss nichtseinen Beifall hatte, man hätte seine Ankunft mit einigen Regimentern abwarten sollen. 5 )
Am 17. zog die Garnison von Hildesheim „neben vielen Geistlichen" nach Holz-minden und Höxter ab, und die Sieger hielten ihren Einzug in die Stadt, worauf derwolfenbüttel'sche Hofprediger Tuckermann im Dome die Dank- und Siegespredigt hielt. fi )
Sogleich nach Uebergabe der Stadt verordnete Herzog Friedrich Ulrich eineCommission nach Hildesheim, welche die genaue Ausführung des Vertrages zu über-wachen und etwaige Mängel, sowie die Klagen der Bürgerschaft zu erledigen hatte.Sie erhielt ausserdem eine ausführliche Instruction über die vorläufige Administration,über die zu erhebende Contribution, sowie für die Regelung der kirchlichen und bürger-lichen Verhältnisse. Die Commission stiess indess bald auf Schwierigkeiten, zunächstbei dem Rathe, welcher wegen Entweichung der bemittelten Bürger und völliger Mittel-losigkeit der zurückgebliebenen sein Unvermögen zu weiteren Zahlungen erklärte; sodann
') Unterhaltungsblatt cit. Nr. 81. — 2 ) Daselbst Nr. 81. — 3 ) Als Nachfolger im Besitze der
Stadt und des Hochstifts Hildesheim nach dem am 11. August 1634 söhnelos erfolgten Tode Friedrich
Ulrich's. — 4 ) Archiv des hist. Y. f. Nieders., 1848, S. 106; Zeitscbr. des hist. V. für Nieders., 1856, II,
S. 232. — 5) Unterhaltungsblatt cit. Nr. 81. — 6) Havemann, 1. c. (1853/57), II, S. 694; Kayser, Aus ver-gangenen Tagen der hildesh. Neustadt, S. 57 u. ff.