Druckschrift 
1 (1888) [Hauptbd.]
Entstehung
Seite
275
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Ulrich; vor Abzug dor Garnison wird das Thor, durch welches sie zieht, und der Wallvon den Belagerern besetzt, Geschütze, Munition und Proviant werden den Siegern über-geben, die beiderseitigen Gefangenen ohne Lösegeld ausgewechselt; die Garnison ziehtmit fliegenden Fahnen, offenen Standarten, Ober- und Untergewehr, gefüllten Bandeliren,Kugeln im Munde, brennenden Lunten, rührendem Spiel, blasenden Trompeten, auf-gerichtetem Gewehr, aufgeschlagenen Hahnen, Weibern, Wittwen, Kindern und Bagageunbehindert auf dem nächsten Wege nach Köln ab, unter Bedeckung, bis zu derenRückkunft Geiseln der Abziehenden zurückbleiben. Allen kurkölnischen Rathen, Beamtenund Dienern, sowie dem Domcapitel, den sieben Stiftern und dem gesammten Clerusund Ordenspersonen, sowie den Angehörigen der katholischen Religion ist freier Abzugmit ihren Gütern gestattet, doch dürfen sie als Privati auch in der Stadt bleiben unterder Bedingung der Enthaltung von jeder Beziehung zu der Gegenpartei; gegen Theil-nahme an den allgemeinen Lasten wird ihnen Schutz in ihren Gütern zugesichert. AlleUrkunden, Besitztitel, Kirchenornat der Kirchen und Klöster verbleiben in der Stadt.

In einer mündlichen Conferenz von Deputirten beider Theile an demselben Tagebestanden die Kaiserlichen vor Allem auf dem Vorbehalt der Ratification des Vertragesdurch den Feldmarschall Geleen und dem Punkte der Erhaltung des Domcapitels.Darauf brach U. die Verhandlungen ab, entschlossennun nicht weiter zu traktiren,sondern mit der For§e im Namen Gottes daran zu gehen." (30. Juni.)

Die schwedischen Truppen unter Anderson wurden näher herangezogen undkampirten bei Steuerwald. Auf die Erklärung der Officiere, dass sie noch zwei Tagezur Fertigstellung der Laufgräben auf der Seite von Steuerwald bedürften, verschobUslar den für den 3. Juli in Aussicht genommenen Sturm. Denn wieder regten sichdie Bedenken wegen der starken Befestigung des Ortes, gesteigert durch beunruhigendeNachrichten von feindlichen Truppenanhäufungen um Minden. In der Nacht des 7. Juli so meldet Herzog Friedrich Ulrich den protestantischen Verbündeten am 11.war Alles zum Sturme bereit und die Mannschaft bereits an ihren Posten, da hinderteein heftiges Gewitter das Unternehmen. 2 )

Am folgenden Tage lief die Meldung ein, dass der Oberst Carl Friedrich 3 ) Wal-decker, Commandant von Minden, mit einem Corps von 4000 Mann Fussvolk und Reitereinebst 4 Geschützen zum Entsätze von Hildesheim heranrücke. Der General - Majorvon Uslar beschloss sogleich im Rathe seiner Offleiere, die Belagerung aufzuheben unddem Feinde entgegen zu gehen. Am 9. Juli um Mitternacht brach U. mit seinen sämmt-lichen Truppen von Hildesheim auf, marschirte auf der Heerstrasse nach Hannover vor,und nahm auf dem Hülfersberge, 4 ) nordöstlich von Sarstedt, Stellung. Mit Anbruchdes Tages entdeckte er den Feind, der sich in der Ebene zwischen Sarstedt und demDorfe Heisede 5 ) aufgestellt hatte. Es entstand nun eine Kanonade. Allein Uslar fandbald, dass der Feind schon in vollem Rückzüge sich befinde; er liess ihn deshalb so-gleich durch seine Cavallerie angreifen, die Alles, was sie vom Feinde vorfand, über denHaufen warf. Zu der übereilten Flucht der Kaiserlichen mochte das Erscheinen desAnderson'schen Corps beitragen, welches von Hildesheim auf dem linken Innerste-Ufergegen Sarstedt vorrückte und von ihnen stärker gehalten wurde, als es wirklich war. 6 )Noch an demselben Abend (9. Juli 7 ) nach dem mit sehr geringem Verluste gewonnenenGefechte kehrte U. in sein verlassenes Lager vor Hildesheim zurück und liess an derWiederherstellung seiner vom Feinde verbrannten und zerstörten Werke aufs Eifrigstearbeiten. Am folgenden Tage (10. Juli) berichtet er dem Herzog Friedrich Ulrich überden Gang des Gefechts und dessen glänzenden Erfolg. Sämmtliche 4 Geschütze desFeindes nebst Munition so meldet Uslar, sowie sechs Standarten seien erobert,mehrere hohe und viele niedere Officiere nebst etwa 4-00 Soldaten gefangen genommen;die kaiserliche Infanterie grösstentheils aufgerieben. 8 )

') Unterhaltungsblatt cit. Nr. 80; Theatr. Europ., III, S. 323; Khevenhiller, 1. e., XII, S. 1373;Havemann, I.e. (1853/57), II, S. 694, Note. 2 ) Doebner, das cit. Unterhaltungsblatt Nr. 81; v. d. Decken,1. c., II, S. 229. 3) Köhler, Münzbelustigung, VIII, S. 389. 4 ) Ehem. Hülpersberg, jetzt gewöhnlichDehnenberg genannt. (Deutsche Volkszeitung vom 30. August 1885.) 5 ) Nicht Hasede (zwischenHildesheim und Sarstedt), wie v. d. Decken, 1. c., II, S. 229 sagt. 6 ) Die hildesheimischen Annalenvon gleichzeitiger Hand (N. vaterl. Archiv, 1825, II, S. 275) berichten, der Kampf habe bis Mittag gewährt,und unter den kaiserlichen Gefallenen sei eine Weibsperson gefunden, die in Mannskleidern wie ein Soldatgefochten. 7 ) Nicht der 10. Juli, wie v. Sichart, 1. c., I, S. 101 sagt, war der Gefechtstag, sondernder 9. Juli. 8) v . d. Decken, 1. c., II, S. 230, 368.

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