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1 (1888) [Hauptbd.]
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indem der in Hameln commandirende schwedische Oberst und Generalcommissair ErichAnderson von Trana sich zu einem ßeiterdienst vor Hildesheim erbot. In Verhand-lungen, welche darüber mit Uslar gepflogen wurden, sprach sich dieser auch im Fallejener Hülfe gegen einen Sturm aus; die Vorbereitungen dazu seien ungenügend, dieSoldaten unwillig, die Offleiere wollten nicht daran.

Am 21. Juni >) trat die Belagerung mit dem Einrücken Erich Andersons mit2000 2 ) Mann zu Fuss und 1000 zu Pferde in eine neue Phase, und zugleich wurde esklar, dass die Befürchtungen eines Entsatzes seitens der Kaiserlichen nicht ohne that-sächlichen Hintergrund waren. Kaum waren die Schweden in das Lager am Moritz-berge einmarschirt und Uslar mit den Kriegsräthen beriethen dort mit Anderson überdie Aufstellung, als man in der Richtung von Gestorf Staubwolken bemerkte. Feind-liche Abtheilungen 3 ) hatten bei Schliekum die Leine und bei Ahrbergen die Innersteüberschritten. Angesichts der schwedischen Verstärkung wichen sie in der Richtungauf Pattensen zurück. Ungewiss über die Stärke und die Absichten des Gegners, be-schloss U., Andersons Truppen zur Deckung der Belagerung bei Sarstedt aufzustellen,verstärkt durch einen grossen Theil seiner eigenen Reiterei. Sobald die Belagerten vondieser Veränderung Kunde erhielten, versuchten sie, aus dem Osterthore ausbrechend,unter geschickter Benutzung der Gärten und Gräben die feindlichen Linien zu durch-brechen. Es kam zu einem heftigen Gefechte, in welchem die Wolfenbütteischen zweiGeschütze einbüssten und der General v. U. nur dadurch der Gefangenschaft entging,dass seine Reuter den kaiserlichen (Oberst- ?) Lieutenant, welcher den General schonbeim Arm genommen hatte, erschossen. 4 ) Unter erheblichen Verlusten wurde schliess-lich die Garnison in die Mauern der Stadt zurückgetrieben.

Der Commandant erklärte sich nunmehr zur Anknüpfung von Unterhandlungenbereit. Am 24. Juni Abends wurden zwei Officiere als Geiseln ausgewechselt. Gegen-über der weitläufigen Instruction, welche die Geiseln überbrachten, verlangte U. nochbis Abend eine Entscheidung über den militairischen Punkt; auf die anderen Plaupt-punkte, die Erhaltung des Stifts und die Ratification durch den kaiserlichen Feldmarschall,könne er nicht Rücksicht nehmen. Zugleich brachte man im Lager in Erfahrung, dassbei der Auswechselung der Geiseln und während der Verhandlungen Emissäre der Be-lagerten sich durch die einschliessenden Truppen geschlichen, um in Minden um Succurszu bitten. Nur auf wiederholtes Ersuchen des Commandanten wurden die Verhand-lungen fortgesetzt. In seinem Berichte an Flerzog Friedrich Ulrich vom 26. Juni setztU. die Gründe auseinander, welche für Gewährung einiger Concessionen an den Clerussprächen, dessen Schutz dem Commandanten in erster Linie aufgegeben sei, die Miss-lichkeit eines Sturmes und der Ruin der Stadt, falls der Sturm wirklich gelänge.

Der Herzog war von vornherein der Ansicht, dass es der Besatzung lediglichdarauf ankomme, Zeit zu gewinnen. Sollte es Ernst mit den Verhandlungen werden,so gab er selbst zu, dass ein Theil des Clerus in der Stadt bleibe, doch bestand er aufden Auszug der Jesuiten. Schon früher (26. Februar) hatte er Uslar instruirt, dafürSorge zu tragen, dass die Juden bei Uebergabe der Stadt mit Einquartierung und anderenLasten verschont würden, indem er sich vorbehielt, selbst von ihnen ein ansehnlichStück Geld zur Contentirung der Soldateska zu erheben. Bei den Vorschlägen desCommandanten fiel ihm die Bedingung auf, dass die eroberte Stadt erst nach vollendetemAbzüge der Garnison betreten werden dürfe; er schärft U. ein, über die Lage der Minensorgfältige Nachrichten einzuziehen und sich durch Geiseln zu sichern. Den Osnabrück-schen Accord bei Entscheidung der Frage über das Verbleiben der Geistlichkeit zuGrunde zu legen, war er nur in einzelnen wenigen Punkten geneigt. Zum Schutze derBürgerschaft befahl er, in den Vertrag die Bestimmung aufzunehmen, dass alles einzelnenBürgern abgenommene Gut in der Stadt zurückbleibe.

Am 28. Juni wurden dem Commandanten die Artikel für Uebergabe der Stadtzugestellt. Die Hauptpunkte waren: Einräumung der Stadt seitens der Kaiserlichenund Uebergabe der Schlüssel an den General-Major von Uslar für Herzog Friedrich

') v. d. Decken, 1. e., II, S. 229 hat den 22. Juni. 2) Daselbst u. danach v. Sichart, 1. c.,I, S. 101 hat nur 200 Mann. 3 ) Nachv. Rothenburg, Wörterbuch aller in Deutschland etc. vor-gefallenen Schlachten etc.", 3. Aufl., Heft 7, S. 423 waren es die ligistischen Regimenter Horst undLerchenfeld, welche durch Anzünden einer Mühle, der Verabredung gemäss, den Belagerten ihre Ankunftmeldeten. 4 ) Unterhaltungsblatt cit. Nr. 80; Theatr. Europ., III, S. 303; Chemnitz, vom teutschenKriege, II, S. 487; Khevenhiller, Annales Ferdinandei, XII, S. 1371.